Die Landwirtschaft braucht mehr als eine Atempause
Der RLV fordert eine dauerhafte Ausnahme landwirtschaftlich eingesetzter Kraftstoffe von der CO₂-Bepreisung
Die aktuell in der Bundespolitik diskutierte und für 2027 geplante Ausgestaltung des CO₂-Preiskorridors bewertet der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) als notwendigen ersten Schritt. Der vorgesehene Rahmen von 55 bis 65 €/t CO₂ verhindere zwar einen bisher geplanten stärkeren Preissprung, schaffe für die Betriebe aber keine echte Entlastung. Der RLV fordert daher, landwirtschaftlich eingesetzte Kraftstoffe dauerhaft von der CO₂-Bepreisung auszunehmen. Zugleich appelliert er an die Mitglieder der Regierungskoalition im Bundestag und an die Bundesländer, sich geschlossen für eine Entlastung der Landwirtschaft einzusetzen.
Für viele landwirtschaftliche Arbeitsprozesse stünden bislang keine praxistauglichen Alternativen zu fossilen Kraftstoffen zur Verfügung. Schlepper, Erntemaschinen und andere Arbeitsgeräte seien für die Lebensmittelproduktion unverzichtbar und könnten derzeit nicht flächendeckend mit alternativen Antrieben betrieben werden. Die CO₂-Abgabe erzeuge deshalb kaum die gewünschte Lenkungswirkung. Stattdessen verteuere sie Diesel sowie indirekt Mineraldünger, Transporte, Trocknung, Kühlung und weitere Vorleistungen. Diese Mehrkosten könnten die Betriebe aufgrund ihrer schwachen Marktposition meist nicht weitergeben. Zugleich entstehe eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung gegenüber Importen aus Ländern, in denen keine vergleichbaren CO₂-Kosten und Produktionsstandards gälten.
Besonders kritisch sieht der Verband die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit: „Wenn heimische Lebensmittel durch zusätzliche CO₂-Kosten teurer werden, während Importe ohne vergleichbare Belastungen und unter niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards erzeugt werden, erhalten diese einen Preisvorteil. Damit verlagert sich die Lebensmittelproduktion verstärkt ins Ausland. Dem Klima und der Versorgungssicherheit wäre dadurch nicht geholfen“, erklärt der RLV.
