19.02.2026

Die Latte hängt hoch

Dr. Elisabeth Legge

Die Zielmarken liegen fest: Die Bundesregierung strebt für 2030 eine Bio-Anbaufläche von 30 % und das Land NRW eine Fläche von 20 % an. Allerdings ist man von diesen Größenordnungen noch weit entfernt. Das Angebot an deutschen Bio-Erzeugnissen hinkt der Nachfrage kräftig hinterher. Damit mehr Betriebe auf bio umstellen, muss sich immer noch eine Menge tun.

Die Biobranche kann sich freuen: Im zweiten Jahr infolge konnte sie ihren Umsatz steigern. Im vergangenen Jahr stieg dieser um 6,7 % auf 18,23 Mrd. € an. Eigentlich erfreuliche Nachrichten. Allerdings will die große Euphorie in der Branche, die vergangene Woche ihren Treffpunkt auf der Biofach in Nürnberg hatte, nicht aufkommen. Die Nachfrage nach Bioprodukten bei den Verbrauchern ist groß, aber das Angebot an heimscher Ware lässt zu wünschen übrig. Die Preise für Bioerzeugnisse können sich derzeit sehen lassen. Insbesondere Biomilch ist gesucht, aber auch andere tierische Bio­-Erzeugnisse – egal ob Schweine- und Geflügelfleisch oder Eier. Und gesucht ist auch Biogemüse.

Weiterverarbeiter von Bioprodukten würden gerne auf Rohstoffe aus NRW zurückgreifen, allein schon wegen der Regionalität. Aber die Ware ist schlichtweg nicht da. Bei Milch- und Fleischprodukten steigen die Importe und selbst bei gängigen Gemüsesorten wie Möhren oder Zwiebeln stößt das heimische Angebot an Grenzen. Und wie kommt‘s? Warum entscheiden sich so wenige Landwirte für die Umstellung? Ein Grund ist sicherlich der Preisabstand zu konventionell erzeugten Produkten. Wer biologisch wirtschaftet, hat höhere Kosten und in der Regel auch geringere Leistungen beziehungsweise niedrigere Erträge. Da muss der Abstand zu konventionell erzeugten Produkten entsprechend groß sein. Allerdings war das in den vergangenen Jahren kaum der Fall, sodass es keinen finanziellen Anreiz zur Umstellung gab.

Die Betriebe halten sich also zurück. Eine Umstellung ist ein unternehmerisches Risiko und mit Investitionen verbunden – insbesondere in der Tierhaltung durch den Umbau von Ställen. Die unsichere Weltlage verunsichert die Landwirte zusätzlich und daher warten sie ab. Wer ein unternehmerisches Risiko eingeht, braucht Planungssicherheit, und dazu tragen die politischen Rahmenbedingungen, sprich weiterhin hohe Dokumentationspflichten und eine unsichere Förderung aufgrund der angespannten Haushaltslage in Brüssel und Berlin, nicht gerade bei. Bundesagrarminister Alois Rainer hat jedenfalls zur Eröffnung der Biofach auch Einsparungen im Ökobereich angekündigt. Und eine Frage bleibt: Wie verhält sich der Verbraucher? Greift er bei der nächsten Krise wieder weniger zu Bioprodukten?

Eine Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung macht man nicht einfach so nebenbei. Es ist eine Lebensentscheidung, für die es auch einer entsprechenden Einstellung bedarf. Dabei hat sich die Sicht auf die ökologische Landwirtschaft beachtlich geändert und ist längst nicht mehr eine Angelegenheit von Wollsocken tragenden „Ökospinnern“, wie es in den 1980er-Jahren oft schien. Wer umstellt, sollte aber bedenken: Es betrifft den ganzen Betrieb und es ist ein anderes Wirtschaften. Die Familie und auch die Mitarbeiter müssen Verständnis dafür haben, dass bestimmte Dinge dann anders gemacht werden. Die künftigen Biobetriebe sollten in jedem Fall wirtschaftlich stabil sein, da die Ware erst nach erfolgter Umstellung ökologisch verkauft werden kann. Diese Umstellungsphase kostet. Grundsätzlich ist der ökologische Landbau eine Option, die bei einer Betriebsveränderung immer mit angedacht werden sollte. Vorher heißt es aber: die Sache abklopfen und Beratung einholen, wenn bestimmte Marktperspektiven da sind. Im Moment stimmen die Per­spektiven. Der Markt für heimische Bio-Erzeugnisse ist da und die Nachfrage wieder groß.

Dennoch tritt die Biolandwirtschaft weiter auf der Stelle. Fakt ist: Es gibt keinen Zuwachs an Fläche und Betrieben. Nur jeder siebte Hof in Deutschland ist bio und nur 11,7 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche wurden 2025 ökologisch bewirtschaftet – das sind gerade mal 1,1 % mehr Fläche als 2024. Die Bundesregierung will bis 2030 auf 30 % Ökofläche kommen. In NRW liegt die Zielmarke etwas niedriger – bei 20 % bis 2030. Allerdings kommt NRW auch aktuell auf deutlich weniger Ökofläche. 2024 waren es 91 754 ha und damit nur 6,1 % der landwirtschaftlichen Fläche insgesamt. Da geht also noch was! Ob die gesetzten Zielmarken erreicht werden, bleibt abzuwarten. Dafür muss sich der Ökolandbau in den nächsten Jahren noch tüchtig nach vorn entwickeln. Hier ist unter anderem die Politik gefordert, vernünftige Rahmen­bedingungen zu schaffen, um die eigenen Zielmarken zu erreichen. Bis 2030 sind es nur noch vier Jahre, die Zeit wird langsam knapp. Die angestrebte Latte jedenfalls hängt hoch und es bleibt sportlich.