„Die Not ist groß“
DBV-Veredelungstag 2026 im bayerischen Essenbach
Die wirtschaftliche Lage der Schweinehalter hat sich nach Einschätzung von DBV-Veredelungspräsident Hubertus Beringmeier dramatisch zugespitzt. „Die Not ist groß“, sagte Beringmeier am Dienstag vergangener Woche vor mehr als 500 Landwirtinnen und Landwirten beim Veredelungstag des Deutschen Bauernverbandes im bayerischen Essenbach. Die Branche stehe vor einem „kritischen Wendepunkt“. Die Politik müsse jetzt handeln, um weitere Betriebsaufgaben und den Verlust regionaler Wertschöpfungsketten zu verhindern, mahnte er. Wie Beringmeier vor Journalisten am Rande der Veranstaltung ausführte, seien die finanziellen Reserven vieler Betriebe mittlerweile aufgebraucht. Zahlreiche Schweinehalter schrieben rote Zahlen, zudem fehle es an kurzfristiger Liquidität.
Gegen Ausstiegsprämien
Als Grund für die angespannte Lage hat der DBV das Überangebot an Schweinefleisch auf dem europäischen Markt ausgemacht. In Deutschland liege der Leitpreis der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) deshalb bei nur noch 1,40 €/kg Schlachtgewicht (SG). Wichtige EU-Exportmärkte könnten durch die zunehmende Konkurrenz auf den internationalen Märkten und Handelshemmnisse wie die Afrikanische Schweinepest (ASP) derzeit nur eingeschränkt bedient werden. Von Ausstiegsprämien für aufgabewillige Betriebe will der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) allerdings nichts wissen. Eine entsprechende Frage hätten Landwirte an den zugeschalteten Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer gerichtet. „Dafür sind wir nicht angetreten“, stellte Beringmeier klar. Dass viele Betriebe weiterhin auf eine Verbesserung der Lage hofften, zeige schließlich auch die große Resonanz auf den diesjährigen Veredelungstag mit mehr als 500 Teilnehmern.
Fristen für Stallumbau verschieben
Um den Betrieben eine Perspektive zu geben, forderte Beringmeier erneut, die nationalen Fristen für den Umbau von Deck- und Abferkelbereichen zu verschieben. Denn auf EU-Ebene stünden dazu ohnehin neue Vorgaben an. „Wir können es uns nicht leisten, länger vom EU-Standard abzuweichen“, sagte er. Beim Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) mahnte Beringmeier eine konsequente Umsetzung an. Die Kennzeichnung müsse auch die Außer-Haus-Verpflegung und ausländische Ware umfassen und dürfe sich nicht auf deutsches Schweinefleisch beschränken.
Entlastung erhofft sich Beringmeier von der Erschließung neuer Exportmärkte. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer sei mit seiner Exportstrategie bereits auf einem guten Weg. „Es fehlt aber an Ergebnissen“, stellte er fest. Dies gelte insbesondere für den angestrebten Marktzugang in China. Gleichwohl zeigte sich der DBV-Veredelungspräsident vorsichtig optimistisch, dass es dort bald Fortschritte geben könnte. Aus dem Ministerium habe es Signale gegeben, dass in absehbarer Zeit eine weitere Reise nach China geplant sei, berichtete Beringmeier.
AgE