18.03.2026

Echte Alltagshelden

Dr. Elisabeth Legge

Wenn die Chefin oder der Chef auf einem landwirtschaftlichen Betrieb plötzlich ausfällt, dann ist die Not groß. Die rheinischen Betriebe können in solchen Situationen auf den Verein Landhilfe Rheinland bauen. Aber die Betriebshilfe steht und fällt damit, dass sie auch zukünftig ausreichend Fachpersonal bekommt.

Unfall oder Krankheit – das kann jeden einmal treffen. Dann wird es schwierig. Man braucht Hilfe. Insbesondere Selbstständige sind in solchen Notsituationen gefordert. Die Unternehmen müssen ja trotz Ausfall der Chefin oder des Chefs weiterlaufen. Auch landwirtschaftliche Betriebe benötigen dann eine Vertretung, und zwar eine Vertretung, auf die sie sich verlassen können – Leute mit Fachwissen. Ansprechpartner bei der Suche nach einer Vertretung ist für die rheinischen Bauernfamilien der Verein Landhilfe Rheinland. Dessen Aufgabe ist es, den betroffenen Familien zu helfen und schnellstmöglich eine Betriebshelferin oder einen Betriebshelfer zur Verfügung zu stellen (siehe Interview auf S. 18).

Grundsätzlich haben alle landwirtschaftlichen Unternehmer und deren mitarbeitende Ehegatten Anspruch auf Betriebs- und Haushaltshilfe – eine Besonderheit, wofür die Landwirtschaft von anderen Berufsgruppen durchaus beneidet wird. Vo­raus­setz­ung dafür ist eine Beitragsveranlagung bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Die Kosten für die Ersatzkraft werden je nach Versicherungsfall von der Alterskasse, der Krankenkasse oder der Berufsgenossenschaft übernommen. Natürlich kostet das Betriebshilfesystem Geld und muss auch zukünftig finanziert werden. Das wird nicht leicht. Und es braucht auch zukünftig viele Betriebshelferinnen und Betriebshelfer, damit dieses System überhaupt aufrechterhalten werden kann.

Für mich sind Betriebshelferinnen und Betriebshelfer echte Helden, Helden des Alltags. Sie stehen für mich auf einer Stufe mit Pflegerinnen und Pflegern in Krankenhäusern und Seniorenheimen, mit Feuerwehrleuten, aber auch mit allen anderen Berufsgruppen, die dafür sorgen, dass alles weiterläuft und funktioniert. Die landwirtschaftlichen Betriebshelferinnen und Betriebshelfer kümmern sich da­rum, dass der Alltag auf den Betrieben weitergehen kann, dass die Tiere versorgt sind und die anstehenden Feldarbeiten erledigt werden. Und damit sorgen sie dafür, dass die Betriebe ihre Existenzgrundlage nicht verlieren. Manche Betriebshelferin oder mancher Betriebshelfer dürfte sogar schon dazu beigetragen haben, dass ein Betrieb nicht für immer seine Tore schließen musste, sondern noch heute existiert.

Der Bedarf an Betriebshelferinnen und Betriebshelfern in der Landwirtschaft ist groß. Wie in vielen anderen Bereichen mangelt es aber auch in der Betriebshilfe an Fachkräften. So sind beim Verein Landhilfe Rheinland derzeit fünf Einsatzkräfte angestellt. Zusammen mit den Ersatzkräften der SVLFG sind im Rheinland rund 50 Personen in der Betriebshilfe vor Ort tätig. Aber das reicht nicht, zumal bei der SVLFG viele Ersatzkräfte zur Babyboomer-Generation gehören und in den nächsten Jahren altersbedingt ausscheiden werden. Der Verein Landhilfe Rheinland sucht händeringend weitere Betriebshelferinnen und Betriebshelfer. Dabei ist dies nicht irgendein Job, sondern eine ganz besondere Aufgabe für Landwirtinnen und Landwirte: Der Job  ist abwechslungsreich, verantwortungsvoll, ermöglicht viel Eigenständigkeit und das Arbeiten in Heimatnähe. Und es ist ein sicherer Job, da im Notfall immer helfende Hände auf den Höfen gebraucht werden.

Darüber hinaus ist er vor allem für junge Leute in­te­res­sant. Denn der Verein Landhilfe Rheinland bietet denjenigen, die eine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen haben, die Möglichkeit, ihr Gesellenjahr nach der Berufsausbildung als Betriebshelfer zu absolvieren. Eine einmalige Chance. Und diejenigen, die ihr Gesellenjahr als Betriebshelfer absolvieren oder absolviert haben, sind begeistert von ihrer Tätigkeit. So hat es der junge Mann formuliert, den wir dazu befragt haben: „Ich kann helfen und viel lernen“ (siehe S. 19).

In der Tat kann man als Betriebshelferin und Betriebshelfer viel lernen. Durch den wechselnden Einsatzort bekommen die jungen Leute tiefe Einblicke auf verschiedenen Höfen und erleben unterschiedliche Arbeitsweisen. Sie sammeln enorm viel praktische Erfahrung. Erfahrung, die sie später auf dem eigenen Hof oder als Angestellte auf einem Betrieb gut gebrauchen können. Dass die Betriebshelferinnen und Betriebshelfer eine sinnvolle und wichtige Tätigkeit ausüben, kommt noch hinzu: Sie helfen, sie leisten echte Hilfe für Betriebe in Not. Der Verein Landhilfe Rheinland freut sich jedenfalls auf viele Bewerbungen von künftigen Betriebshelferinnen und Betriebshelfern, und zwar nicht nur von Anwärtern für das Gesellenjahr.