21.10.2026

Ehrenamt gefällig?

Dr. Elisabeth Legge

Ehrenamtlich tätige Menschen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Ohne sie würden viele Bereiche des öffentlichen Lebens nicht funktionieren. Für die Landwirtschaft bleibt das Ehrenamt ebenfalls unverzichtbar, deshalb sollten sich noch mehr Bäuerinnen und Bauern in Verbänden, Vereinen und Organisationen engagieren.

„Oh Gott, was machst du da? Warum tust du dir das an? Hast du dir das auch gut überlegt?“ Wer ein Ehrenamt übernimmt, muss sich nicht selten diese Fragen gefallen lassen, ja, stellt sich mitunter selbst diese Fragen. Denn ein Ehrenamt ist freiwillig, es wird nicht entlohnt und es ist in der Regel mit viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden. Trotz allem engagieren sich in Deutschland rund 29 Mio. Menschen ab 14 Jahren freiwillig. Das sind etwa 40 % der Bevölkerung. Diese Zahlen sprechen für sich. Sie spiegeln die große Bedeutung des Ehrenamts wider. Fakt ist: Ohne dieses En­gage­ment gäbe es viele soziale und gesellschaftliche Angebote nicht.

Auf dem Land engagieren sich insbesondere Bäuerinnen und Bauern sowie Landfrauen nicht nur für den Berufsstand, sondern in den unterschiedlichsten Bereichen. Ob bei der Feuerwehr, bei den Maltesern, in der Kirche, in Sport- oder Musikvereinen – das Einsatzspektrum für die Ehrenamtsheldinnen und -helden ist groß. Speziell in der Landwirtschaft ist dabei die Übernahme eines Ehrenamts nicht einfach. Viele Stunden an Abwesenheit vom Betrieb und auch von der Familie sind für die Ehrenamtlichen vorprogrammiert. Die Arbeitsbelastung in den Betrieben ist jedoch groß und vor allem den jungen Leuten erscheint daher ein Ehrenamt als purer Luxus, den man sich eigentlich nicht leisten kann. Zumal oft gilt: Ein „Pöstchen“ kommt selten allein. Meist gesellt sich zu einem Ehrenamt ein weiteres dazu.

Dabei hat sich in der Vorstandsarbeit von Verbänden und Vereinen längst etwas getan, etwas geändert. Eine oder einer allein muss nicht mehr den Hut aufhaben, wie es lange üblich war. Vielmehr geht man immer mehr dazu über, die ehrenamtliche Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen – nach dem Motto „Im Team geht’s leichter“. So lassen sich vor allem auch die jungen Leute für ein Ehrenamt gewinnen. Dabei heißt es, die neuen Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler da abzuholen, wo sie stehen. Woran haben sie Spaß, wo liegen ihre Stärken? Wie viel Zeit haben sie? Die Vorstandsarbeit kann man daran ausrichten. Die Landfrauen, unter anderem die Jungen LandFrauen, aber auch einzelne Kreisverbände machen es vor. Im Rhein-Erft-Kreis beispielsweise hat sich ein Vorstandsteam von jüngeren Landfrauen zusammengetan, die sich die Arbeit aufteilen und sich auf ihre Fahnen geschrieben haben: Bewährtes fortzuführen, neue Generationen anzusprechen und die Verbandsarbeit zukunftsfähig aufzustellen (siehe S. 14).

Ehrenamt kostet Zeit, Kraft und manchmal auch viele Nerven. Viel Ehre wird einem meist auch nicht zuteil. Mitunter gilt es sogar, Prügel einzustecken. Das muss man aushalten können, denn nicht immer läuft alles so, wie man selbst oder die Berufskollegen es sich wünschen. Dies spricht also eigentlich dagegen, sich in Verbänden oder Vereinen zu engagieren. Aber jeder, der ein Ehrenamt innehat, bestätigt auch: Es bringt einem persönlich eine ganze Menge. Man lernt viel dazu. Es bringt einen weiter. Wie sagte mir vergangene Woche eine Landfrauenvorsitzende über den Einsatz der Landfrauen auf der Landesgartenschau in Neuss: Der Aufwand dafür sei groß gewesen, aber es habe auch viel Spaß gemacht und „wir Landfrauen sind damit gewachsen“. Das hört sich doch gut an und sollte motivieren.

Und motivieren sollten auch die Worte von Willy Winkelhaag, Landwirt aus Hürth-Stotzheim, der 45 Jahre für den Berufsstand ehrenamtlich tätig war. Bei seiner Verabschiedung vergangene Woche in Schloss Bedburg (siehe S. 14) zog er ein rundum positives Resümee. „Wenn ich auf die vergangenen Jahre schaue, dann denke ich nicht zuerst an Sitzungen, Beschlüsse oder Veranstaltungen. Ich denke an Menschen. An die vielen Begegnungen, Gespräche und gemeinsamen He­raus­for­de­rungen, die wir gemeistert haben. Für mich war die Landwirtschaft nicht nur ein Beruf oder ein Ehrenamt. Sie war und ist eine große Familie.“

Das Ehrenamt kann – auch wenn der eine oder andere es bezweifeln mag – etwas bewegen. Und es ist und bleibt eine zentrale Säule des Berufsstands und des Dorflebens. Ohne Ehrenamt funktionieren diese einfach nicht. Die Landwirtschaft braucht auch weiterhin viele Menschen, die sich freiwillig engagieren. Ehrenämtler gibt es nie genug. Also wie sieht es aus: Möchten Sie nicht auch ein Ehrenamt übernehmen?


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