03.09.2025

Ein Schritt ist gemacht

LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

„Jünger und weiblicher“ – es ist schon ein paar Jahre her, dass der Deutsche Bauernverband (DBV) diesen Anspruch formuliert hat. Jetzt hat er zum ersten Mal in seiner 77-jährigen Geschichte eine Generalsekretärin bekommen. Bis zur Präsidentin an der Spitze wird es aber noch etwas dauern.

Es ist kein Geheimnis, dass in der landwirtschaftlichen Interessenvertretung der Generationswechsel ansteht. Wobei man zugeben muss, dass „ansteht“ zu ungenau ist. Denn mancherorts ist der Übergang der Verantwortung an der Spitze vollzogen, wie zum Beispiel beim Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV). Mancherorts ist man gerade mittendrin. Und es gibt auch Landstriche in der Bundesrepublik, wo man nicht so recht weiß, ob die Posten gerade übergangsweise besetzt sind oder ob da jemand an seinem Stuhl klebt. Der Generationswechsel ist im Gange, trifft es also wahrscheinlich besser – auch deswegen, weil auf den vielen Ebenen zu allen Zeiten verdiente Persönlichkeiten aus dem Amt scheiden und neue an ihre Stelle treten.

In demokratisch geordneten Organisationen gehört es sich, dass aus den eigenen Reihen die Menschen an die Spitze gewählt werden, die dann (idealerweise in Abstimmung mit einer ebenfalls demokratisch legitimierten Führungsmann- und -frauschaft) die Marschrichtung vorgeben. Daneben gibt es auch noch angestelltes Führungspersonal (Hauptamt), das Ersteren (Ehrenamt) zuarbeitet und die Infrastruktur organisiert, um die Anliegen der Mitgliederschaft zu artikulieren, mit Argumenten zu unterfüttern, Netzwerke spannt und den täglichen Geschäftsbetrieb am Laufen hält. An dieser Schaltstelle hat der DBV nun einen Teil seines Versprechens wahrgemacht und Stefanie Sabet zu seiner neuen Generalsekretärin gemacht. Dafür darf man ihm durchaus Respekt zollen. Denn er sendet damit ein Signal aus, das auch auf der ehrenamtlichen Seite mehr junge Frauen ermutigen kann, sich ihren Platz in der Interessenvertretung zu erobern. Davon gibt es etliche, die das Potenzial dazu haben. Auch bei uns im Rheinland.

Dass eine von ihnen einmal an der Spitze der bäuerlichen Berufsvertretung steht, kann man sich durchaus sehr gut vorstellen. In Westeuropa lassen sich sogar Beispiele dafür finden. So hatte die National Farmers Union (NFU) in Großbritannien 2018 Minette Batters zur Präsidentin gewählt. Doch hierzulande wird es wohl noch etwas dauern, bis sich zur Generalsekretärin eine Präsidentin gesellen wird. Eine Vizepräsidentin gibt es bereits beim DBV. Die gelangte allerdings durch eine Satzungsänderung in diese Funktion. Regulär müssen nämlich die Vize-Positionen im DBV-Präsidium aus den Reihen der Präsidenten der Landesbauernverbände gewählt werden. Und dort ist bislang keine Aspirantin für ein solches Amt in Sicht.

Der jetzige DBV-Präsident, Joachim Rukwied, wurde erst im vergangenen Jahr in diesem Amt bestätigt. Sollte er in etwa drei Jahren nicht erneut zu einer Wiederwahl antreten, wird ihm daher aller Wahrscheinlichkeit nach wie bereits all seinen Vorgängern ein Mann nachfolgen. Die Welt geht davon sicher nicht unter. Allerdings müssen die Organisationen der Landwirtschaft noch einen Zahn zulegen, um weibliche Talente aus der Landwirtschaft zu begeistern und in Schlüsselpositionen zu bringen. Das gilt nicht nur für die Bauernverbände, sondern genauso zum Beispiel für die Landwirtschaftskammern, die Erzeugerfachverbände oder die Genossenschaften. Dass wir es uns als Branche insgesamt nicht leisten können, Kompetenzen zu verlieren, das leben viele Betriebe vor, die heute ihre Töchter als Nachfolgerinnen in der Betriebsleitung aufbauen. Dafür reichen auch im kleinen Rheinland zwei Hände längst nicht mehr aus, um sie alle zu zählen.

Den Frauen auf den Höfen und in den Organisationen gleiche Chancen einzuräumen, ist ohne Wenn und Aber richtig. Das darf niemand kleinreden. Allerdings müssen auch sie, wie jeder andere, sich den demokratischen Gepflogenheiten stellen. Von den vielen engagierten Frauen, die ich in vielen Jahren als Journalist kennenlernen durfte und die sich durchaus vorstellen können, einmal eine herausgehobene Position in der landwirtschaftlichen Interessenvertretung einzunehmen, wollte und will keine einzige als Quotenfrau dahin kommen – sondern als Mensch, der mit Kompetenzen und Qualifikationen überzeugt.