08.07.2026

Geballte Frauenpower für mehr Demokratie

Sabine Aldenhoff

Sie sind eine starke Gemeinschaft und als solche setzen sie sich seit über 75 Jahren nicht nur für das Gemeinwohl im ländlichen Raum ein, sondern vehement auch für Frauenrechte. Nun trafen sie sich in Essen zum Höhepunkt ihres Verbandslebens: dem Deutschen LandFrauentag. Haben die Landfrauen ihre Ziele schon erreicht?

Die Landfrauen feierten in der Grugahalle ihre Vorbilder und ihren Zusammenhalt. Die Liste der positiven Eigenschaften, die die Redner des Tages den Landfrauen richtigerweise zuschrieben, ist lang, um nur einige zu nennen: bürgerschaftliches En­gage­ment, Hilfsbereitschaft, lösungsorientierte Anpackermentalität, Übernehmen von Verantwortung, Ideenreichtum, Mut, Verlässlichkeit. Ob Ministerpräsident, Landwirtschaftsminister, parlamentarische Staatssekretärin oder 1. Bürgermeisterin, sie alle äußerten sich voller Respekt, Wertschätzung sowie Anerkennung und sprachen den Landfrauen ein großes Dankeschön für ihre Arbeit aus. Bei allen Aufzählungen, was Landfrauen bereits bewegt und für alle Frauen erreicht haben, wurde aber auch angemerkt, wo weiter oder leider wieder gekämpft werden muss.

Die Zahl der Betroffenen ist riesig! „90 % der Fläche in Deutschland sind ländliche Räume, hier leben 47 Mio. Menschen“, erinnerte Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv), – und die Hälfte davon sind Frauen! Bei allen Angeboten für Frauen außerhalb der Städte, die oft von den Landfrauen initiiert werden, gebe es auf dem Land strukturelle Defizite wie fehlende Bildungsangebote, mangelnde Infrastruktur oder überholte Rollenbilder, die dazu führen, dass viele junge Frauen ihre Heimatregion verlassen. Die Frauen, die bleiben, ob jung oder älter, sind häufig betroffen von mangelnder sozialer Absicherung – Bentkämper: „Eine Ehe ist keine Alterssicherung.“ – sowie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (und Ehrenamt?). Die jüngsten Ideen der Regierung zu Kürzungen und Neuregelungen in den Bereichen Krankenversicherung, Pflege und Rente lassen nicht gerade auf Verbesserungen für Frauen hoffen. Ganz im Gegenteil: dass beispielsweise pflegenden Angehörigen im Zuge der Rentenreform Rentenpunkte gekürzt werden sollen, empört besonders, denn zahlreiche Landfrauen und Frauen auf dem Land leisten diesbezüglich sehr wichtige Carearbeit. Wo bleibt da die Menschlichkeit?

Rund die Hälfte der Bevölkerung – nicht nur im ländlichen Raum – sind Frauen. Da sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass bei politischen Entscheidungen die Hälfte der Entscheider Entscheiderinnen sind. Für Parität hat sich eine starke Frau ganz besonders stark gemacht: Rita Süssmuth. Ihrer wurde auf dem Deutschen LandFrauentag gedacht, vor allem, weil ihr Vermächtnis noch lange nicht Realität ist. Auf dem Weg zu Gleichberechtigung und politischer Teilhabe haben Frauen und Landfrauen schon viel erreicht; von einer 50:50-Besetzung im Parlament sind wir aber noch weit entfernt. „Demokratie braucht die Per­spektiven und Erfahrungen von Frauen“, betonte Mareike Lotte Wulff, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Gefährlich sind da die aktuell erstarkenden antifeministischen Strömungen, die vor allem in den sozialen Medien insbesondere jungen Menschen längst überholt geglaubte Rollenbilder einbläuen und politisch engagierte Frauen einschüchtern wollen. Auf dem Deutschen LandFrauentag war man sich einig, dass dem entschieden entgegengetreten werden muss. Und das fängt schon im Kleinen an, indem sich die Landfrauen jedes Ortsvereins betont als selbstbewusst, laut und bunt verstehen und demokratische Werte vorleben. Für die Stärkung demokratischer Strukturen und gleichwertige Lebensverhältnisse in den ländlichen Räumen setzt sich auch der Deutsche Frauenrat ein, dessen Mitglied der dlv ist. Ländliche Räume sollen sozial und wirtschaftlich resilient gemacht werden. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer machte sich für mehr Frauen stark und versprach, sich für bessere Rahmenbedingungen für das Ehrenamt einzusetzen.

Positive Impulse gab es also reichlich auf dem Deutschen LandFrauentag. Und wer dabei war, hat auch das überwältigende Gefühl des Zusammenhalts und der Gemeinschaft gespürt, das im gemeinsamen Singen seinen emotionalen Höhepunkt erreichte. Das Motto des Tages „gestalten.begeistern.bewegen.GEMEINSAM“ wurde dabei musikalisch umgesetzt. Diesen Schwung, diese Inspiration, diese Ermunterung und Ermutigung galt es mitzunehmen und zu bewahren, als es für die rund 5 000 Teilnehmerinnen und ihre Gäste nach Hause, raus aufs Land ging. Möge das jeder Einzelnen gelungen sein, denn es gibt weiterhin viel zu tun für die Landfrauen in ihrer wertvollen, ehrenamtlichen Arbeit.


 

 

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