Insider warnt vor Patenten
Die kürzlich beschlossene neue EU-Verordnung zu den Neuen Züchtungstechniken (NZT) könnte eine schleichende, oligopolartige Konzentration des europäischen Saatgutsektors auslösen. Davor warnt ein der Redaktion namentlich bekannter Patentanwalt mit langjähriger Branchenerfahrung im Gespräch mit dem Pressedienst Agra-Europe. Die Technologie selbst bewertet er zwar überwiegend positiv, das eigentliche Risiko liege jedoch in den Patentregelungen. Denn wie der Anwalt erläutert, sind derzeit höchstens rund 3 % der am Markt befindlichen Sorten mit Patenten „belastet“. Mit der Verbreitung der NZT und der Patentierung züchterischer Eigenschaften als technische Erfindung dürfte sich das jedoch rasch ändern.
Negative Folgen könnte das vor allem für kleine und mittelständische Züchter haben, warnt der Branchenexperte. Denn Patente akkumulieren sich mit der Zeit: Baut eine neue Sorte auf einer älteren auf, bleiben deren patentierte Merkmale darin enthalten. Bei diesem „Patent-Stacking“ addieren sich auch die Lizenzkosten. Schon wenige kombinierte Patente reichten aus, damit ein erheblicher Teil des Gewinns eines Züchters an einer Sorte an die Patentinhaber fließe. Hinzu kommt laut dem Experten das Problem der „Patentdickichte“. Je mehr Patente im Markt kursieren, desto aufwendiger wird es für die Unternehmen zu analysieren, welche Patente auf einer Sorte liegen.
AgE
