12.02.2025

Neu lernen

Foto: Elena Peters

Mit der Entscheidung 2020, den Hof zu übernehmen, ging auch einher, mich stärker mit unseren angebauten Herzensprodukten auseinanderzusetzen. Dies geschieht unter anderem natürlich durch die Wissensvermittlung und langjährige Erfahrung meines Vaters und unserer Mitarbeiter. Zusätzlich möchte ich das aber durch eigenes Wissen noch weiter ausbauen. Daher habe ich im Januar an einem Seminar der Landwirtschaftskammer NRW zum Thema Spargel und Erdbeeren teilgenommen. Genau genommen ließ ich mich zur „zertifizierten Fachkraft für Spargel-, Erdbeeren- und Beerenobst“ weiterbilden. In drei Wochen standen Themen wie die Grundlagen der einzelnen Kulturen, aktuelle Informationen rund um den Pflanzenschutz, aber auch Grundlagen für Betriebs- und Arbeitswirtschaft sowie Mitarbeiterführung im Fokus.

Wie Sie wissen, lebt diese Kolumne von meiner Ehrlichkeit und Offenheit. Daher mache ich keinen Hehl daraus, dass diese drei Wochen mich wirklich herausgefordert haben. In einer sehr kurzen Zeit ein detailliertes Grundverständnis für die Botanik vermittelt zu bekommen, gekoppelt an die Besonderheiten, die jede Sonderkultur mit sich bringt, empfand ich einfach als sehr anstrengend. Auch die Summe von unterschiedlichen Krankheiten und Schaderregern, denen unsere Pflanzen ausgesetzt sind, verbunden mit den jeweiligen Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken, erschien mir wie ein Buch mit sieben Siegeln. Und on top kam, dass ich physisch drei Wochen nicht auf meinem Betrieb war und insbesondere in der Zeit, als meine Eltern sich erholten, auf zwei Hochzeiten tanzte: im Seminar, um unter anderem zu verstehen, was sich hinter der „räuberischen Gallmücke“ verbirgt, und gleichzeitig als Ansprechpartnerin für unsere Mitarbeiter.

Passend dazu stolperte ich bei Instagram über nachstehendes Zitat der US-amerikanischen Unternehmens-Managerin Indra Nooyi: „Wachstum und Komfort existieren nicht nebeneinander. Sei bereit, dich außerhalb deiner Komfortzone zu bewegen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.“ Und genau das war es: Meine Komfortzone wäre es gewesen, den Januar in vollen Zügen zu genießen. In einem Skiurlaub mit Philipp, beim Flanieren und Netzwerken auf der Grünen Woche in Berlin ober einfach beim frühen Feierabendmachen.

Ich habe mich aber bewusst einer Herausforderung gestellt, die für mich inhaltlich kein Zuckerschlecken war. Dabei bin ich über meine Grenzen gegangen und erkenne gleichzeitig, dass nicht nur mein Fachwissen, sondern auch mein Selbstvertrauen und damit ich ganz persönlich gewachsen bin.

Was tun Sie heute, um Ihre Komfortzone zu verlassen?

Christina Ingenrieth