Nur nicht nachlassen
Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig. An ihr kommt die Landwirtschaft auch weiterhin nicht vorbei. Sie schafft Transparenz und vor allem Vertrauen. Und dieses Vertrauen braucht die Branche.
Unsere Leserinnen und Leser kommen seit einigen LZ-Ausgaben an einem Thema nicht vorbei: die Landesgartenschau, kurz Laga, in Neuss. Auch in dieser Woche berichten wir auf einigen Seiten darüber, genauer gesagt über die Aktionen im Forum Landwirtschaft des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes. Der Berufsstand nutzt auch 2026 die Laga, um über die Landwirtschaft, die eigene Arbeit und vor allem über die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel zu informieren. Ziel ist es, Landwirtschaft transparent zu machen und den Dialog mit der Gesellschaft zu stärken – insbesondere an einem Ort, der Menschen aus Städten und Ballungsräumen ebenso anspricht wie aus dem ländlichen Raum. Und ein reger Besuch dürfte den Akteuren des Forums Landwirtschaft gewiss sein: Die Veranstalter erwarten auf dem 38 ha großen Laga-Gelände, wo Rennpferde einst ihre Runden gedreht haben, mehr als 650 000 Besucher. Das Forum Landwirtschaft hat damit eine große Plattform.
Nicht nur die Laga in Neuss ist eröffnet, auch die Spargel- und die Erdbeersaison in NRW haben begonnen. Für Direktvermarkter bedeutet das Hochsaison. Spargel und vor allem Erdbeeren direkt vom Erzeuger sind bei den Verbrauchern gefragt und das zieht sie in die Hofläden und an die Verkaufsstände. Direktvermarkter sind die Öffentlichkeitsarbeiter der Landwirtschaft schlechthin: Sie haben fast täglich direkten Kontakt zum Verbraucher, können Fragen rund um die Landwirtschaft beantworten und ihre Produktion gegenüber Nichtlandwirten darstellen.
Aber Öffentlichkeitsarbeit darf man nicht nur den berufsständischen Organisationen und den Direktvermarktern überlassen. Alle sind gefordert! Zugegeben, das ist für die landwirtschaftlichen Betriebe mit Aufwand und vor allem Zeit verbunden. Allerdings ist diese Zeit gut investiert. Sie schafft Vertrauen, sie zeigt die echte Landwirtschaft und sie räumt mit Vorurteilen auf. „Massentierhalter“ oder „Umweltvergifter“ – das kursiert nach wie vor in der Bevölkerung. Und woher kommen diese Vorurteile? Vom Nichtwissen. Landwirtschaft und Gesellschaft leben heutzutage in verschiedenen Welten, sie wissen wenig voneinander und das schürt Vorurteile. Die Zeiten, in denen viele noch Großeltern hatten, die einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaften, sind längst vorbei. Es gibt immer weniger Landwirtsfamilien und das landwirtschaftliche Wissen in der Gesellschaft geht damit auch immer weiter verloren.
Die Landwirtinnen und Landwirte kommen also nicht umhin, zu informieren, was sie tun, Landwirtschaft zum Anfassen zu bieten und einen Blick hinter die Hoftore zu gewähren. Dabei muss es ja nicht gleich das große Hoffest sein. Es können auch kleinere Aktionen sein. Wie wäre es beispielsweise, mal wieder eine Schulklasse auf den Hof zu holen? Wie wäre es mit der Einladung von Politikern und Lehrern? Oder wie wäre es in diesem Jahr mal mit einem Agrill-Event?
Agrill steht für Agrar, April und Grillen und ist eine Initiative des Berufsstandes. Dazu gehören auch Grillaktionen auf den Höfen. Einladen zu diesen Events kann man kleine Gruppen – die Nachbarn, Freunde, einen Verein oder alle Interessierten. Auf den Grill soll dabei alles kommen, was die Landwirtschaft zu bieten hat: Gemüse, Käse und auch Fleisch und Wurst. Bei Agrill geht es darum, zusammenzukommen, um gemeinsam zu genießen und sich auszutauschen. Dies lässt sich ideal verbinden mit Infos rund um die Landwirtschaft. Agrill hat jetzt auch eine Sonderaktion gestartet und unterstützt 100 landwirtschaftliche Betriebe, die ihre Höfe öffnen und zum gemeinsamen Grillen und Austausch einladen (siehe LZ 17-2026, S. 54). Bewerben Sie sich doch einfach!
Und wer mag, kann auch noch eine weitere Form der Öffentlichkeitsarbeit nutzen. Ob YouTube, Instagram, Facebook: Diese sozialen Medien bieten für den einzelnen Betrieb – nicht nur für den Direktvermarkter – eine wunderbare Möglichkeit zu zeigen, wie der Alltag auf dem Hof ausschaut, was im Stall und auf dem Feld passiert. Also Handy raus und filmen! Je mehr Landwirtinnen und Landwirte hier mitmachen, desto mehr erreicht man die Menschen, die gar nichts mit Landwirtschaft am Hut haben, und kann sie informieren und mit Vorurteilen aufräumen. Das schafft Vertrauen und mehr Wertschätzung. Hier gilt es, nicht nachzulassen.
