Schmuck mit emotionalem Mehrwert
Bleibende Erinnerung an ein geliebtes Tier – Susanne Kunzmann fertigt in ihrem Atelier auf dem Gelände des Neusser Schlosses Reuschenberg Armbänder, Ringe und Anhänger aus und mit Pferdehaar
Tasco ist irgendwie immer dabei, in Gedanken ohnehin, aber auch reell greifbar. Zumindest das, was nach seinem Tod von ihm geblieben ist: ein Teil seines schönen kräftigen Schweifs, den Susanne Kunzmann gefühlt tausendmal gebürstet hat, verarbeitet in geflochtenen Armreifen. Ein Freund von ihr hat die Haarpracht vorsichtig abgetrennt, nachdem das geliebte Tier 2014 an einer Kolik verstorben war. Für die junge Frau ein schwerer Verlust, denn sie und Tasco waren inniglich verbunden. Im Jahr 2003 wurde eine Reiterstaffel der Polizei aufgelöst und Susanne Kunzmann übernahm Tasco. Elf Jahre währte die wunderbare Freundschaft – ihr erstes eigenes Pferd.
„Schon als Kind war ich verrückt nach Pferden“, erzählt die heute 47-Jährige. „Für mich war es das Größte, beim Eulogiusritt in meiner alten Heimat dabei zu sein. In Tracht und zusammen mit mehreren Hundert anderen Reiten. Jedes Pferd bekam ein Brötchen und wurde mit Weihwasser gesegnet.“ Ein uralter Brauch in Lenzkirch im Hochschwarzwald, wo ihr Vater lange Jahre Bürgermeister war. Schon mit rund sechs Jahren saß sie im Sattel und verbrachte einen Großteil der Freizeit im Reitstall und auf der Weide. Da war ihr bereits klar, dass sie später auf jeden Fall ein eigenes Pferd haben wollte.
Naturmaterial
Doch bis dahin sollte es noch einige andere Stationen in ihrem Leben geben. Vater und Mutter liebten die Natur genauso wie die Kreativität und das Handwerk. Sie ermutigten Susanne zum Besuch der Goldschmiedeschule in Pforzheim. Auf das Studium der Designtechnik folgten 3,5 Jahre Berufskolleg für Schmuck und Design. „Hier habe ich in diversen Projekten mit Materialien experimentiert, die die Natur bereitstellt. Da ich fast jeden Tag beim Striegeln mit der Schönheit des Pferdehaars in Berührung kam, lag der Schritt nahe: Ich nahm Pferdehaar, färbte, webte, flochte und vernähte. Es entstanden einige aus heutiger Sicht originelle und etwas schräge Schmuckstücke.“
Mehr in LZ 30-2025 ab S. 52.
Ulrike Kossessa
