19.08.2026

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LZ-Chefredakteur Detlef Steinert

In der Eifel brennen 300 ha Wald. Wenige Kilometer weiter westlich stehen auf ­belgischer Seite über 2 000 ha im Naturschutzgebiet Hohes Venn in Flammen. Kleinere Brandherde lodern überall im Land und in benachbarten Regionen. Mittendrin: Landwirtinnen und Landwirte, die helfen.

Egal ob es seinerzeit die Coronapandemie war oder der Überfall Russlands auf die Ukraine oder aktuell die Auseinandersetzung an der Straße von Hormus: Solche Ereignisse zeigen, wie empfindlich die Warenströme und damit die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit den Dingen des Lebens sind. Befremdlich klingt es vor allem dann, wenn lapidar von Lieferketten gesprochen wird, obwohl es um lebenswichtige Dinge geht wie zum Beispiel Arzneimittel, Energie oder Lebensmittel.

Lebenswichtig war es am vergangenen Wochenende, dass der Nachschub an Wasser bei dem Brand in Hürtgenwald nicht versiegt ist. Unverzichtbar war dabei der Einsatz unzähliger Landwirtinnen und Landwirte, die mit ihren Gespannen aus Trecker und Tank den Nachschub nicht haben abreißen lassen. Aber nicht nur dort. Manche sind ein paar Kilometer weiter gefahren, um im Hohen Venn mit anzupacken. Andere haben am Niederrhein geholfen oder in der Voreifel bei Mayen oder anderswo. Ohne ihre logistische Unterstützung hätte die Löschwasserversorgung nicht so reibungslos geklappt. Daher haben auch die Politikerinnen und Politiker, die sich vor Ort in Hürtgenwald ein Bild von der Lage gemacht haben, allesamt nicht nur alle Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Hilfsorganisationen oder Bundeswehr, sondern auch ausdrücklich die Landwirtinnen und Landwirte in ihren Dank eingeschlossen: Ministerpräsident Hendrik Wüst genauso wie seine Stellvertreterin Mona Neubaur, Innenminister Herbert Reul, Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen und Umweltminister Oliver Krischer sowie Landrat Dr. Ralf Nolten, dem die überregionale Presse ein gutes Zeugnis für sein Krisenmanagement ausgestellt hat.

Gerade Dr. Nolten dürfte den Einsatz der Landwirtinnen und Landwirte auch deshalb zu schätzen wissen, weil er als Agrar­ingenieur genau da­rum weiß, dass sie alle Sorgen um die eigenen Betriebe zu Hause hintangestellt haben, um etwas für die Gemeinschaft zu tun. Die Milchbauern sorgen sich da­rum, ob sie angesichts der trockenen Witterung der vergangenen Wochen genug Futter für den Winter haben. Die Ackerbauern sorgen sich, dass sie am Markt trotz der Ernteeinbußen allerorten nicht die nötigen Preisaufschläge für ihr Getreide bekommen. Und die Schweinehalter wissen derzeit gar nicht, welche der vielen Sorgen sie am meisten drückt: Hilfe hatten sie eigentlich von Agrar­minister Alois Rainer erwartet, der vergangene Woche Branchenvertreter zu einem Schweine­gipfel zusammengeholt hatte. Doch die hatten von Rainer nur „viel Verständnis“ mit auf den Weg nach Hause bekommen. Der Agrarminister – vom Wochenmagazin „Der Spiegel“ gerade erst als „blassester Minister unter Merz“ bezeichnet – vertröstet auch in anderer Angelegenheit: Was konkrete Hilfen für die dürregeplagte Landwirtschaft angeht, will er weitere Ernteschätzungen Ende August abwarten. Immerhin will er nunmehr für 2027 vorgesehene GAP-Mittel doch nicht mehr zurückhalten, wie ursprünglich vorgesehen. So stünden den Betrieben im kommenden Jahr gut 800 Mio. € mehr an Prämien zur Verfügung.

Dabei ist es schon jetzt höchste Zeit für Unterstützung. Gefühlt brennt überall in der Branche. So drücken die genannten Beispiele einzelne Sektoren besonders. Allesamt drücken sie zudem noch ganz andere Pro­bleme: Die Vorkosten schießen ins Unermessliche, Bürokratie und Kon­trol­le belasten die Betriebe nach wie vor und die Unsicherheit über die Zukunft der Gemeinsamen Agrar­politik der EU (GAP) ist riesig. Ich bin überzeugt, dass jeder einzelne Landes- und Kommunalpolitiker, der dieser Tage den Einsatz der Landwirtinnen und Landwirte gelobt hat, ihnen nur zu gerne mehr als nur ein Dankeschön zurückgeben und ihnen etwas von ihren Sorgen nehmen würde. Denn sie wissen, die Menschen auf ihren Treckern stehen der Gesellschaft zur Seite, deswegen sollte die Gesellschaft genauso ihnen zur Seite stehen. Aber sie wissen auch, dass die Weichen für bessere Rahmenbedingungen hauptsächlich von anderen als von ihnen gestellt werden.

Die Flut vor wenigen Jahren und die Brände heute machen deutlich, dass unsere Gesellschaft häufiger mit extremen Wetterereignissen rechnen muss. Bislang konnte bei solchen Krisen immer auf die schnelle und unkomplizierte Unterstützung von Landwirtinnen und Landwirten vor Ort gezählt ­werden. Haben die einmal das Feld geräumt, sehen sich die Krisenmanager einer riesigen Lücke gegenüber. Ob augenblickliche Beteuerungen, mehr in den Katastrophenschutz zu investieren, die Fehlstelle schließen, die dann in der Lieferkette entsteht? Wenn das Können und die logistischen Möglichkeiten der Landwirtinnen und Landwirte fehlen, wer liefert dann?


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