30.09.2026

Artenvielfalt und Pferdehaltung gehören zusammen

Informations- und Austauschveranstaltung der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft

„Artenvielfalt in der Pferdehaltung ist in meinen Augen eng verknüpft mit der Pferdegesundheit“, betonte Tierärztin Dr. Beate Bertram zu Beginn der Informations- und Austauschveranstaltung der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die sich am Mittwoch vergangener Woche in Rheinbach diesem Thema widmete. Viele gesundheitliche Pro­bleme, die sie in ihrem Arbeitsalltag erlebe, wie Stoffwechselerkrankungen oder Asthma, seien durch artgerechte Haltung und Fütterung zu vermeiden. 80 bis 90 % ihrer Patienten seien übergewichtig. „Weideflächen sind meistens mit Hochleistungsgräsern besetzt, die für Rinder gedacht sind. Außerdem ist ein Flächenmangel, also zu viele Pferde auf zu wenig Fläche, die Regel statt die Ausnahme. Das führt zu Überweidung und gestressten Pflanzenbeständen“, erläuterte die Tierärztin. Die Situation werde durch den Klimawandel zusätzlich verschärft. Aus ihrer Sicht sei ein Umdenken nötig. Es brauche mehr Kräuter, Bäume und Hecken in der Pferdehaltung. „Jeder, der Pferde hält, sollte sich mehr um Pflanzenkenntnis bemühen“, forderte sie zum Abschluss ihres Vortrags.

Saatgutmischung entwickelt

Karina Schnitker von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft stellte das Projekt Pferdehaltung für mehr Artenvielfalt vor, das noch bis Herbst 2027 in der LEADER-Region Voreifel umgesetzt wird. An dem Projekt nehmen 15 Pferdehalterinnen und -halter teil, die bereits einige Maßnahmen umgesetzt haben: Hochstammpflanzungen, Hecken- und Strauchpflanzungen, Anlage von Altgrasstreifen, Anbringen von Nisthilfen und Ansitzwarten, Anlage eines Staudenbeetes und die Nachsaat von Pferdeweiden. Für die letzte Maßnahme wurde eine pferdeverträgliche Saatgutmischung entwickelt und erprobt. „Die Mischung besteht zu 87 % aus Gräsern und zu 13 % aus Kräutern. Bei der Auswahl haben wir auf eine hohe Tritt-, Verbiss- und Regenerationsfähigkeit sowie auf eine Kombination von Ober- und Untergräsern geachtet. Dabei wurden unterschiedliche Standortansprüche kombiniert und die Mehrjährigkeit der Bestände berücksichtigt“, erklärte Schnitker. Nach Abschluss des Projektes sei die Veröffentlichung eines Leitfadens für Pferdehaltende geplant.

Positive Beispiele

Anschließend zeigte Steffen Steenken von der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis Praxisbeispiele von gut gemanagten Pferdeweiden, die dadurch eine große Artenvielfalt aufweisen und Lebensraum für bedrohte Arten bieten. In einem der Beispiele beweiden zwei Pferde mehrere Koppeln im Umtrieb in wechselnder Reihenfolge. Das führe dazu, dass auf den Flächen unter anderem der Wiesenknopf-Ameisenbläuling und Schlangen-Knöterich vorkämen. In einem weiteren positiven Praxisbeispiel stecke die Pferdehalterin sehr viel Arbeit in die Fläche, indem sie die Pferdeäpfel absammele, Teilbereiche ausmähe, eine Böschung, auf der Wiesenknopf wachse, auszäune und nur stundenweise portionierte Bereiche beweiden lasse.

Erst prüfen, dann bauen

„Erst prüfen, dann bauen, einzäunen, befestigen, pflanzen oder einsäen“, gab Rechtsanwalt Wolfgang Patzlaff vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband den Teilnehmenden der Veranstaltung als Grundsatz mit auf den Weg. Denn Pferdehaltung sei kein rechtsfreier Raum, sondern es gelte, Bauplanungsrecht, Bauordnungsrecht, Tierschutzrecht, Naturschutzrecht, Pachtrecht, Haftungsrecht und Förderrecht zu berücksichtigen. „Standort, Nutzungszweck und Flächenstatus entscheiden mehr als die bloße Anzahl der Pferde“, erklärte er. Beispielsweise sei es für Hobbypferdehalter nicht möglich, im Außenbereich eine Baugenehmigung zu erhalten; das sei nur mit landwirtschaft­licher Privilegierung möglich. Bei Pachtflächen sei der Pächter außerdem verpflichtet, nach Ende des Nutzungszeitraums die Fläche im ursprünglichen Zustand zurückzugeben.

kj


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