Betrieben fehlt Liquidität
DBV-Erntebilanz macht deutlich, dass geringere Erträge, niedrige Erzeugerpreise und hohe Kosten die Landwirte belasten
Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet in seiner Erntebilanz 2026 insgesamt mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte von 41,9 Mio. t. Das wären 7 % weniger als die 45,2 Mio. t im Vorjahr. Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) rechnet sogar mit einem Minus von 10 % und nur 40,6 Mio. t Getreide in diesem Jahr. Bei den Gründen für die niedrigeren Erträge sind sich die Verbände jedoch einig und nennen beide die Hitze und Trockenheit. „Die diesjährige Ernte ist von enormen regionalen Unterschieden geprägt, mit einem starken Nord-Süd-Gefälle. Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt“, führte Bauernpräsident Joachim Rukwied aus. Der Weizenertrag sei besonders enttäuschend. Beim Winterweizen, der mit rund 2,9 Mio. ha wichtigsten Kultur, liege die Erntemenge lediglich bei 20,9 Mio. t und damit 7 % unter dem Vorjahr. Der DRV beziffert den Winterweizenertrag auf nur 19,01 Mio. t. Der Ertrag pro ha ist nach Angaben des DBV um 9 % auf 72,1 dt/ha gesunken. Bei den Qualitäten zeige sich ein uneinheitliches Bild. Bauernpräsident Rukwied berichtete, dass es den Winterraps mit einem Ertragseinbruch von 20 % auf 29,1 dt/ha am stärksten getroffen hat. In Summe seien nur 3,3 Mio. t geerntet worden. Der Raiffeisenverband schätzt die diesjährige Rapsernte mit 3,7 Mio. t hingegen höher ein als der DBV. Bei der Wintergerste liegen die beiden Verbände mit Erntemengen von 9,3 Mio. t und 9,5 Mio. t näher beieinander.
Bei Kartoffeln zeichnet sich laut Rukwied ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab, selbst auf beregneten Flächen sind kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Bei Zuckerrüben sehe es regional deutlich schlechter aus. Für Süddeutschland schätzte er die Ertragseinbußen auf 25 %. Insgesamt trifft das schwache Ernteergebnis eine wirtschaftlich prekäre Zeit. Die deutlich niedrigeren Erträge in Verbindung mit den niedrigen Erzeugerpreisen auf der einen Seite und den hohen Kosten für Betriebsmittel, wie zum Beispiel Diesel, Pflanzenschutz- und Düngemittel, auf der anderen Seite belasten die Liquidität vieler Betriebe enorm. Nicht wenige brauchen laut Rukwied Sonder- oder Zwischenfinanzierungen zur Sicherung der Liquidität und zum Fortbestand des Betriebes. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation fordert der Bauernpräsident die Bundesregierung auf, ein Sofortpaket zum Erhalt der Liquidität auf den Weg zu bringen.
Darin fordert er:
- das Düngemittelhilfspaket auf 180 Mio. € aufzustocken und über die Berufsgenossenschaft unbürokratisch und zügig auszahlen zu lassen,
- 80 % der Direktzahlungen bereits im Oktober auszuzahlen und die restlichen 20 % garantiert im Dezember,
- eine sofortige Reduktion der Steuer auf Diesel.
„Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage, die nächste Ernte zu finanzieren“, so Rukwied.
AgE/kj
