Chancen mit Käse und Co.
Mercosur: Export hochwertiger Lebensmittel profitiert
Das Handelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten bietet auch Chancen für den europäischen Agrar- und Ernährungssektor. Darauf weist Dr. Bettina Rudloff von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hin. So werden die Herkunftsbezeichnungen für „Exportschlager“ aus Europa, etwa hochwertigen Wein und Käse, künftig auch in Südamerika geschützt und können nicht mehr billig kopiert werden. Außerdem senke nicht nur die EU ihre Zölle auf Agrarprodukte, sondern auch der Mercosur, betont die Agrarökonomin.
Die Befürchtung, das Mercosur-Abkommen untergrabe die Grundlagen der heimischen Nahrungsmittelproduktion und gefährde damit die Ernährungssicherheit in der EU, weist Rudloff zurück. Die EU verfüge in vielen Nahrungsmittelkategorien über sehr hohe Selbstversorgungsgrade. Die Ernährungssicherheit, die sowohl durch Importe als auch durch eigene Produktion gewährleistet werden könne, werde durch das Abkommen insgesamt gestärkt. Denn sowohl die Verfügbarkeit als auch die Erschwinglichkeit von Nahrungsmitteln würden verbessert.
Dass Warnungen vor einem Verlust der Ernährungssicherheit insbesondere in Frankreich auf fruchtbaren Boden fielen, führt die Agrarökonomin auf zwei Faktoren zurück: zum einen auf das dort politisch einflussreiche Konzept der „Ernährungssouveränität“, zum anderen auf eine schwindende Wettbewerbsfähigkeit der französischen Landwirtschaft.
Auch das möglicherweise noch in diesem Jahr zum Abschluss stehende Abkommen mit Indien bietet laut Rudloff Chancen für den EU-Agrarsektor. „Um die Dimensionen eines solchen Abkommens klarzumachen: Schon bei EU-Mercosur wurde gesagt, es entstehe der größte Wirtschaftsraum mit mehr als 700 Millionen Verbrauchern. Ein Abkommen mit Indien wäre noch einmal doppelt so groß“, sagte sie. Auch für Indien sieht Rudloff vor allem Chancen für europäische hochwertige Luxusprodukte. Wichtig sei, angesichts der realen Hungergefahr in Indien, die dortigen Sensibilitäten zu respektieren.
AgE
