Den Nachwuchs begeistern
NRW kann sich über stabile Ausbildungszahlen im Beruf Landwirt und auch über einen guten Besuch der Fachschulen für Agrarwirtschaft freuen – zumindest bislang noch. Weiterhin heißt es: Den Nachwuchs für die Landwirtschaft zu begeistern und die Bäuerinnen und Bauern von morgen bei der Stange zu halten.
Es sieht nicht schlecht aus: Schaut man sich die Zahlen der Auszubildenden in der Landwirtschaft an, dann steht unser Bundesland gut da. Drei Jahre in Folge gab es zuletzt Zuwächse bei den Ausbildungsverträgen in NRW, im vergangenen Jahr allerdings einen Rückgang. Die Zahlen im Einzelnen: 2022 waren es 1 415 Azubis, 2023 dann 1 455 Azubis, 2024 schon 1 531 Azubis und 2025 dann „nur noch“ 1 481 Azubis. Dabei sind es längst nicht mehr nur Töchter und Söhne von den Bauernhöfen, die sich für den Beruf des Landwirts entscheiden. Im Gegenteil: Die Zahl der „Bauernkinder“ ist seit Jahren rückläufig. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft spiegelt sich also auch bei den Azubis wider. Aber es gibt viele Quereinsteiger. 50 % derer, die sich für eine Ausbildung entscheiden, kommen nicht aus der Landwirtschaft.
Die Grünen Berufe üben offenbar eine große Faszination auf die jungen Menschen aus. Aber warum? Wir haben die Jahrgangsbesten in den Grünen Berufen der Landwirtschaftskammer NRW dazu befragt. Die Antworten können Sie in dieser LZ-Ausgabe (siehe S. 60) und den vorherigen drei LZ-Ausgaben nachlesen – und nachhören in beiden LZ-Podcasts Hof & Heimat, in denen sie zu Wort kommen. Die jungen Leute sind sich in einem Punkt einig: Ihnen machte ihre Ausbildung Spaß. Hier die Antwort des jahrgangsbesten Landwirts auf die Frage, was er an seinem zukünftigen Beruf so liebt: Dieser sei vielfältig, abwechslungsreich, er ermögliche das Arbeiten mit Pflanzen und Tieren und das Arbeiten in der freien Natur. Und man sehe abends, was man tagsüber geleistet habe.
Viele junge Leute, vor allem in der Landwirtschaft, belassen es nicht bei der Ausbildung, sie setzen auf zusätzliche Qualifikationen. Sie entscheiden sich etwa für den Besuch einer Fachoberschule oder der Fachschule. Die Landwirtschaftskammer NRW hält hierzu ein interessantes Fachschulangebot bereit. Ein Angebot, das gefragt ist (siehe Interview ab S. 16): Im Schuljahr 2025/26 verzeichneten die Fachschulen 444 Studierende in der Landwirtschaft und damit mehr als im Vorjahr. Das Fachschulangebot richtet sich an junge Landwirtinnen und Landwirte, die Verantwortung übernehmen wollen – auf dem eigenen oder einem fremden Betrieb ebenso wie in Unternehmen der Agrarbranche. In den Fachschulen erhalten sie dafür das Rüstzeug. Davon profitieren nicht nur die künftigen Hofnachfolger, sondern auch die Quereinsteiger.
Und an diesen Quereinsteigern kommt die Agrarbranche nicht vorbei, denn nach wie vor sind nicht alle Ausbildungsplätze besetzt. Die Landwirtschaft konkurriert längst mit den anderen Branchen um den Nachwuchs. Der demografische Wandel und die rückläufige Zahl an Schulabgängern sowie der zunehmende Run auf das Studium entwickeln sich immer mehr zum Problem für die Ausbilder und Arbeitgeber.
Die Perspektiven für junge, top ausgebildete Landwirte sind in jedem Fall bestens, bei allen Unsicherheiten, die die Branche umtreibt. Nicht nur der vor- und nachgelagerte Bereich interessiert sich für die Fachschulabsolventen, sondern auch landwirtschaftliche Betriebe. Viele von ihnen haben eine Größe erreicht, die sich mit der Familie allein nicht mehr stemmen lässt. Sicherlich ist auch der ein oder andere Quereinsteiger dabei, der einen landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen will – oder aber die ein oder andere Quereinsteigerin, denn immerhin 22 % der landwirtschaftlichen Azubis in NRW sind inzwischen weiblich. Außerfamiliäre Betriebsnachfolge könnte für manchen Azubi oder Fachschulabsolventen und auch für manchen Betrieb eine Möglichkeit sein, dass der Betrieb weitergeführt wird und eine Zukunft hat.
Es zeigt sich: Viele junge Leute haben Spaß an der Landwirtschaft, ja, sie haben echt Bock darauf. Damit dies so bleibt, ist unter anderem die Politik gefordert. Die Landwirte von heute und morgen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die ihnen Perspektiven bieten. Und insbesondere die Ausbildungsbetriebe sind gefordert. Sie müssen die Hofnachfolger und die Quereinsteiger gleichermaßen für die Landwirtschaft begeistern. Warum den Azubis nicht Verantwortung übergeben? Warum ihnen nicht einen bestimmten Aufgabenbereich überlassen? Das macht die jungen Leute stolz, es motiviert sie und sie berichten dann ihren Freunden bestimmt mit noch mehr Begeisterung von ihrem Beruf. Ein motivierter Berufsnachwuchs ist die beste Werbung für die Branche. Und die kann die Landwirtschaft gut gebrauchen.

