04.02.2026

EU und Indien einigen sich

Foto: imago/Jannis Chavaki

Was die „Mutter aller Deals“ bringen soll

Nach rund zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben die EU und Indien sich auf den Abschluss eines Handelsabkommens geeinigt. In Neu-Delhi unterzeichneten beide Seiten vergangene Woche die „Mutter aller Deals“, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Vereinbarung bezeichnete. Geschaffen wird ein Wirtschaftsraum mit knapp 2 Mrd. Menschen, der etwa ein Viertel der Weltwirtschaft umfasst. Nach Angaben der Kommission erreicht der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen Indien und der EU bislang jährlich einen Wert von mehr als 180 Mrd. €. Durch das Abkommen entfallen für europäische Exporteure Zölle in Höhe von rund 4 Mrd. €. Erwartet wird, dass sich die EU-Ausfuhren im Laufe der Zeit dadurch mehr als verdoppeln. Davon dürften vor allem der europäische Maschinenbau sowie die Automobil- und Chemiebranche profitieren.

Der Agrar­sektor ist von der Handelsliberalisierung größtenteils ausgenommen. Der EU-Kommission zufolge beliefen sich die Agrar­- und Lebensmittelexporte nach Indien 2024 auf insgesamt 1,3 Mrd. €, was lediglich einem Anteil von 0,6 % an den gesamten Ausfuhren dieser Sektoren entsprach. Es besteht damit erhebliches Potenzial für eine Ausweitung des Handels. Zwar gibt es auch im EU-Agrar­sektor Vorbehalte gegenüber einer vollständigen Marktöffnung. Sorgen um die Ernährungssicherung auf indischer Seite dürften aber den Ausschlag gegeben haben, dass sensible Bereiche wie Reis, Rind- und Hühnchenfleisch und auch Zucker vollständig ausgeklammert bleiben.

Vor diesem Hintergrund konnten sich die indischen und europäischen Verhandler dennoch auf überraschend viele Handelserleichterungen bei einzelnen Produkten des Agrar­- und Ernährungssektors einigen. Für die EU-Seite senkt Indien beispielsweise seine bislang außerordentlich hohen Zölle auf Wein, Spirituosen, Bier, Olivenöl, Wurstwaren sowie verarbeitete Lebensmittel wie Pasta, Backwaren und Schokolade. Betroffen sind damit vor allem Produkte, die einerseits nur wenig Bedenken bezüglich der heimischen Lebensmittelversorgung in Indien auslösen dürften, andererseits aber wegen ihres hohen Wertschöpfungsgrades großes ökonomisches Potenzial aufweisen.

Hätten Sie es gewusst? Von Januar bis November vergangenen Jahres hat Nordrhein-Westfalen Waren im Wert von 2,49 Mrd. € nach Indien exportiert. Die Importe von dort hatten dagegen einen Wert von 3,09 Mrd. €. Wichtigste Importgüter waren chemische Erzeugnisse (403,9 Mio. €) sowie Bekleidung und Textilien (289,9 Mio. €). Mit 961,8 Mio. € standen Maschinen und Apparate an erster Stelle der Ausfuhren von NRW nach Indien.

AgE/ds