25.02.2026

Die Funken werden schwächer

Foto: imago/Herrmann Agenturfotografie

Thünen-Analyse: Flaute erwischt vor allem das Land

Das derzeit nur geringe Wirtschaftswachstum in Deutschland macht sich vor allem in ländlichen Räumen bemerkbar. Der gegenwärtige Stellenabbau im verarbeitenden Gewerbe erfolgt zu 80 % auf dem Lande und nicht in städtischen Gebieten. Das zeigen aktuelle Auswertungen des Thünen-Instituts für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen. Demnach ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Wirtschaftssektor zwischen März 2022 und März 2025 bundesweit um knapp 156 000 Personen gesunken. 125 000 dieser Stellen wurden von Unternehmen in ländlichen Räumen abgebaut. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit beinahe flächendeckend, während Unternehmensgründungen auf niedrigem Niveau verharren.

Den Braunschweiger Wissenschaftlern zufolge hat die starke Betroffenheit ländlicher Räume zwei Gründe: Zum einen arbeitet dort mehr als ein Viertel aller Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe, in den Ballungsräumen sind es hingegen weniger als 14 %. Die Ballungsräume sind vor allem auf Dienstleistungen spezialisiert, in denen anders als im verarbeitenden Gewerbe bundesweit nach wie vor die Beschäftigung zulegt. Zum anderen ist der prozentuale Beschäftigungsrückgang im verarbeitenden Gewerbe in den ländlichen Räumen noch etwas ausgeprägter als in den Ballungsräumen.

So sind laut Thünen-Institut zwischen März 2024 und März 2025 in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sowie bei der Herstellung von sonstigen Vorleistungsgütern in den ländlichen Räumen jeweils mehr als 2,6 % der Stellen abgebaut worden. In den urbanen Räumen hat der prozentuale Rückgang nur bei rund 2 % gelegen. Aus Sicht des Thünen-Instituts droht vielen ländlichen Regionen der Verlust ihrer wirtschaftlichen Substanz, wenn dem verarbeitenden Gewerbe keine wirtschaftliche Erneuerung gelingt. Wirtschaftspolitische Reformen sollten den Experten zufolge daher einen Anreiz zu höheren Investitionen als bisher geben.

Trotz eines schwächeren Beschäftigungswachstums ist allerdings die Arbeitslosigkeit in ländlichen Räumen weniger stark gestiegen als in urbanen Regionen. Laut dem Thünen-Institut liegt das an unterschiedlichen demografischen Entwicklungen. In den letzten Jahren habe in ländlichen Räumen ein größerer Anteil der Beschäftigten das Rentenalter erreicht. Das tatsächliche durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter habe zudem unter dem der Städte gelegen. Beides verringere das Angebot an Arbeitskräften und könne dämpfend auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit wirken.

AgE