Ein Jahr ASP – was folgt daraus?
Die Afrikanische Schweinepest wurde am 13. Juni 2025 im Kreis Olpe und damit erstmals in Nordrhein-Westfalen offiziell bestätigt. Wenige Tage vorher hatte ein aufmerksamer Jäger ein verendetes Wildschwein gefunden, es gemeldet und untersuchen lassen. Seitdem wurden über 700 weitere ASP-Fälle in dem waldreichen Gebiet nachgewiesen.
In der Folge wurden Restriktionsgebiete um den Ausbruch festgelegt, um das Geschehen einzugrenzen und dort Regeln aufzustellen, die insbesondere für Schweinehalter Einschränkungen, Mehrarbeit und wirtschaftliche Einbußen bedeuteten. Aber auch Landwirte und Jagdrevierinhaber waren betroffen. Es sollte zunächst möglichst keine Unruhe in dem Gebiet entstehen, um nicht eventuell noch lebende, infizierte Tiere auf ein größeres Gebiet zu verteilen. Glücklicherweise wurde bereits Jahre zuvor die Wildtierseuchen-Vorsorge-Gesellschaft (WSVG) gegründet, damit dieses Ziel auch koordiniert und schnell umgesetzt werden konnte. Ein großes Team rund um die Geschäftsführer Christian Stoll und Marcus Elmerhaus, ergänzt um die Kadaversuchhundestaffeln und Jagdeinheit des Landes und zahlreiche ortskundige Menschen inklusive Jäger, versucht seitdem, die Seuche in dem wildschweinreichen Gebiet einzudämmen. Mit über 200 km fest verbautem Zaun um die Ausbrüche will man die Seuche eingrenzen und bestenfalls sogar tilgen. Das wird vermutlich Jahre dauern.
Die eingerichteten Zonen – das direkt betroffene Gebiet und die darum gezogene Sperrzone 1 als Puffer – umfassen schon über 200 000 ha. Darin liegen nicht nur hunderte Jagdreviere, auch die Höhenunterschiede waren und sind eine Herausforderung. Mit modernster Technik, die die Ortung von infizierten Tieren sowie die nötige Kommunikation vor Ort deutlich erleichtern, hohem persönlichen Einsatz und starken Nerven wurden schon mehr als 20 000 ha systematisch durchkämmt und Kadaver schnellstmöglich und hygienisch geborgen. Sie sollen keinen weiteren Schaden anrichten, denn das Virus bleibt lange infektiös, und andere Tiere wie auch Wölfe verschleppen ihre Beute oder Teile davon.
Einfach laufenlassen? Keine Option, denn erstens bringt die Erkrankung enormes Tierleid für die infizierten Tiere und zweitens sind die Auswirkungen auf Betriebe, die nicht nur Hausschweine halten, sondern auch auf Einnahmen aus dieser Haltung angewiesen sind, enorm. Davon abgesehen gibt es Bekämpfungsvorschriften, die umzusetzen sind, um andere nicht zu gefährden. Deshalb zählt jede Bemühung, das Seuchengeschehen möglichst zu beenden. Zudem haben auch schweinehaltende Betriebe durch die Arbeit vieler Menschen wertvolle Zeit gewonnen, die es zu nutzen gilt, um sich auf eine mögliche eigene Betroffenheit entsprechend vorzubereiten.
Es ist schon gut, wenn man das Betriebsgelände durch ein Biosicherheitskonzept gegen Kontakt mit Wildschweinen oder das Hineintragen von viruslastigem Material durch Fahrzeuge, Material wie zum Beispiel Einstreu oder über den Menschen geschützt hat, um eine Infektion im eigenen Tierbestand zu verhindern. Ein unverzichtbarer zweiter Schritt ist es aber auch, sich so betrieblich aufzustellen, dass die Vermarktung von Schweinen weiterhin möglich wird, wenn man nach einem Nachweis bei Wildschweinen selbst im Restriktionsgebiet liegt. Wer zukünftig indirekt betroffen ist und sich nicht jetzt schon – also in Friedenszeiten – darauf vorbereitet, verschenkt wertvolle Zeit, die Auswirkungen abzumildern.
Der Oberbergische Kreis liegt bereits an den Grenzen der Sperrzonen. Auch wenn diese Region nicht für eine starke Schweinehaltung bekannt ist, ist es spätestens jetzt angezeigt, sich auch als Rheinländer konkreter mit den Auswirkungen der ASP zu befassen. Ein Blick nach Hessen und Sachsen zeigt uns, dass es eine Seuche ist, die man – einmal beim Wildschwein in einer Region nachgewiesen – nur schwer wieder loswird. Brandenburg und Sachsen schienen seit Bekämpfungsbeginn im Herbst 2020 das Geschehen erfolgreich beendet zu haben, seit April dieses Jahres wurden im Landkreis Görlitz wieder über 70 neue Kadaver von Wildschweinen gefunden. In Hessen wurden seit dem ersten Fall im Juni vor zwei Jahren über 2000 infizierte Wildschweine nachgewiesen. Wir können und müssen aber auch damit rechnen, dass das Virus durch unachtsame Verschleppung in anderen Gebieten auftaucht und dort für große Einschränkungen sorgt. Am 17. Juni bietet der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) deshalb ein Online-Seminar zum Thema an (siehe S. 55). Es gibt Informationen aus erster Hand von einem betroffenen Schweinehalter aus dem Sauerland und wichtige Erläuterungen zum Thema Statusbetrieb vom Schweinegesundheitsdienst. Sie sind herzlich eingeladen!
