07.10.2026

Große Betriebe in Gefahr

Foto: imago/imagebroker

Die Pläne der EU-Kommission zur Kappung der Direktzahlungen bei 100 000 € treffen die ostdeutsche Landwirtschaft mit ihren großflächigen Strukturen besonders hart, denn groß heißt nicht automatisch reich. Diese Botschaft ging vom Agrar­politischen Forum des Thüringer Bauernverbandes aus. Dessen Präsident Dr. Klaus Wagner sprach sich dafür aus, den einzelnen EU-Mitgliedstaaten Spielraum zu lassen, um bei Degression, Kappung oder gekoppelten Zahlungen die jeweiligen nationalen und regionalen Strukturen berücksichtigen zu können. Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Karsten Schmal, betonte, dass die Gelder der Gemeinsamen Agrar­politik gerade für die Milchviehhaltung auch in Zukunft ein essenzieller Bestandteil des betrieblichen Einkommens seien. Er unterstrich, dass die reine Betriebsgröße kein verlässlicher Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg eines landwirtschaftlichen Betriebs sei.

Wissenschaftliche Unterstützung für diese Einschätzung kommt vom Leibniz-Institut für Agrar­entwicklung in Transformationsökonomien. Dessen Direktor, Prof. Alfons Balmann, verwies da­rauf, dass eine Kappung der Direktzahlungen vor allem für große und sehr große Tierhaltungsbetriebe spürbare wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen könnte. Da Faktoren wie Pachtzahlungen, Beschäftigung, Investitionen und Wertschöpfung eng mit dem ländlichen Raum verflochten seien, würden Kürzungen bei Großbetrieben die gesamte Region betreffen. Langfristig müsse daher die gesamte Wirkungskette betrachtet werden, um Wege zu finden, wie die Landwirtschaft unabhängiger von Direktzahlungen werden könne.

Felix Lutz aus der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission verteidigte hingegen die Pläne aus Brüssel. Nach seinen Angaben geht es bei der Reform da­rum, die vorhandenen Fördergelder gezielter als bisher einzusetzen. Zudem betonte Lutz, dass die Mitgliedstaaten innerhalb des europäischen Rahmens die Flexibilität erhalten sollen, um den spezifischen Bedürfnissen unterschiedlicher Betriebsformen im eigenen Land Rechnung zu tragen.

AgE


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