16.07.2025

Mehr Wettbewerb um Milch

Foto: Christiane Närmann-Bockholt

Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW legt Zahlen zum Milchmarkt vor

An den Standort der Münsterland Milch in Rosendahl-Osterwick hatte die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW am Mittwoch letzter Woche eingeladen, um die neuen Zahlen zum NRW-Milchmarkt in der ersten Jahreshälfte 2025 vorzustellen. Es waren eine Reihe von Daten und Fakten, vorgestellt von Dr.Rudolf Schmidt, dem Geschäftsführer der LV Milch NRW, die aufhorchen lassen. „Selbst bei guten Milchpreisen ist in Nordrhein-Westfalen ein anhaltender Strukturwandel festzustellen auch bei größeren Milchviehbetrieben“, machte Schmidt deutlich. Die Sorge um diese Entwicklung treibt auch die beiden Vorsitzenden der LV Milch NRW um, Benedikt Langemeyer für den westfälischen und Hans Stöcker für den rheinischen Landesteil. „Es macht Sorge, dass selbst viele zukunftsfähige Betriebe keinen Nachfolger finden“, erklärte Stöcker, „und wir müssen alles dransetzen, die gut strukturierten Betriebe in die nächste Generation zu bringen.“ Investitionsbereite Betriebe bräuchten dringend mehr Planungssicherheit genauso wie auch einen Abbau der hohen bürokratischen Hürden, richtete Langemeyer eine eindringliche Forderung an die Politik.

Anhaltender Strukturwandel trotz guter Erzeugerpreise

Die Milchanlieferung in NRW sei im Zeitraum Januar bis April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4% deutlich zurückgegangen, erläuterte Schmidt. Auch bundesweit sank die Milchanlieferung in diesem Zeitraum um 2,9%, während EU-weit das Milchaufkommen mit 0,3% annähernd stabil blieb. Auffällig sei der mit 9,2% hohe Rückgang der Anlieferung von Biomilch in NRW, hier führe vor allem die EU-Öko-Weidepflicht für viele Betriebe zu einem nicht gelösten Problem. Die Zahl der Milchkuhhalter in NRW ging um 2,4% auf 4 443 Betriebe zurück, dabei gaben auch Betriebe mit größeren Beständen die Milchviehhaltung auf. Diese Entwicklung erstaunt mit Blick auf die Auszahlungspreise. Für konventionell erzeugte Milch mit 4% Fett und 3,4% Eiweiß lag der NRW-Auszahlungspreis im ersten Quartal 2025 mit 52,45 ct/kg und damit einem Plus von 21,6% gegenüber dem Vorjahr auf einem Rekordniveau. Für die Biomilcherzeugung ist es mit einem Auszahlungspreis von im Mittel 60,87 ct/kg und damit um 14,8% höher als im Vorjahr ähnlich.

Hype um Rohmilch

Erfreulich hat sich der Absatz von Milchprodukten in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres entwickelt. So verzeichnete der Absatz von Konsummilch ein Plus von 2,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Absatz von Biomilch konnte sogar um 5,6% zulegen. Einen Dämpfer gab es dagegen beim Absatz von Weidemilch, der um 2,6% geringer als im Vorjahr ausfiel. Milchalternativen erfreuen sich wachsender Beliebtheit und legten um 8,2% im Absatz zu. Als erfreulich festzuhalten bleibe, so Schmidt, dass in den sozialen Medien derzeit ein regelrechter Hype um Rohmilch und ihre positiven Effekte zu beobachten sei. Die Notierungen für Butter und Käse seien im ersten Quartal dieses Jahres eher unbeständig und tendenziell leicht fallend, die Pulverpreise blieben auf niedrigem Niveau stabil. Die Verbraucherpreise für Milchprodukte im Discount seien in diesem Frühjahr gesenkt worden, damit sei auch der Spielraum für eine Anhebung der Milcherzeugerpreise begrenzt. Beim Blick auf die Kühlregale mit Molkereierzeugnissen im Lebensmitteleinzelhandel falle auf, dass das Sortiment zunehmend auch Platz für regionale Produkte biete.

Christiane Närmann-Bockholt