Menge drückt auf Milchpreis
LV Milch NRW lud zur Halbjahrespressekonferenz in die Niederrheinhalle nach Krefeld ein
Der Milchmarkt hat sich innerhalb eines Jahres vollkommen gedreht. Seit Sommer 2025 sind die Milchmengen gestiegen und die Auszahlungspreise für die Erzeuger gingen zurück. Der Rückblick der Landesvereinigung Milch NRW auf der Halbjahrespressekonferenz, die am Dienstag vergangener Woche in der Niederrheinhalle, dem Auktionsstandort der Rinder-Union West (RUW), in Krefeld stattfand, fiel jedenfalls ernüchternd aus. „Von Januar bis April dieses Jahres wurden in NRW im Vorjahresvergleich 6,5 % mehr Milch gemolken, deutschlandweit sogar 6,7 %“, stellte Dr. Rudolf Schmidt, Geschäftsführer der LV Milch NRW, fest. Auch in der EU (4,2 %) und weltweit sei im ersten Quartal ein Anstieg zu beobachten. In Nordamerika hat die Milchproduktion nach Angaben der Landesvereinigung um 2,8 % zugenommen, in Südamerika um 4,3 % und in Ozeanien um 4,7 %.
Die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte sind in den vergangenen Monaten insgesamt leicht zurückgegangen, eine Ausnahme stellen jedoch die niedrigen Butterpreise dar, diese haben sich nahezu halbiert. Trotz höherer Verbraucherpreise ist in den ersten Jahresmonaten der Absatz von Quark (+13,4 %), Käse (+4,8 %) und Joghurt (+3,7 %) gestiegen. Die Notierungsergebnisse zeigten sich im ersten Quartal 2026 bei Butter und Käse unterdurchschnittlich. Während die Butterpreise dramatisch sanken, erreichten die Eiweißpreise dagegen Spitzenwerte. Grund hierfür ist nach Angaben der Landesvereinigung der Proteinhype.
In NRW lag der Auszahlungspreis im ersten Quartal 2026 bei durchschnittlich 37,56 ct/kg für konventionell erzeugte Milch. Das ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Minus von 14,88 ct/kg oder 28,4 %. „Ein Milchpreis von 38 ct bei fast gleichen Kosten wie im Vorjahr ist schon eine herbe Entwicklung“, betonte Schmidt. Die Milchpreise für konventionelle Milch gaben laut Landesvereinigung um 15 bis 20 Cent innerhalb weniger Monate nach, während die Preise für Biomilch nahezu stabil und auf einem hohen Niveau blieben. In NRW lag der Auszahlungspreis für Biomilch im ersten Quartal deises Jahres bei durchschnittlich 62,63 ct/kg und 2,9 % über dem Vorjahreszeitraum. Der Abstand zwischen konventioneller Milch und Biomilch liege bei über 27 ct und sei im ersten Quartal so hoch wie noch nie gewesen, und dies trotz einer deutlich gestiegen Biomilchmenge, betonte Schmidt. Der Strukturwandel in der Milcherzeugung in NRW hält weiter an. Die Zahl der Milchviehbetriebe geht weiter zurück, die Zahl der Milchkühe steigt dagegen leicht an. Hier ist eine deutliche Verschiebung in den Bestandsgrößen zu beobachten. Laut Landesvereinigung gibt es ein deutliches Minus bei Betrieben mit weniger als 100 Kühen, nur Betriebe mit mehr als 100 Kühen nehmen zu. Inzwischen gibt es in NRW 30 Betriebe mit mehr als 500 Milchkühen.
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Mehr in LZ 30-2026 ab S. 12.
