11.02.2026

Mer dun et för üch, mer dun et für uns

Dr. Bernd Lüttgens

Keine Frage beschäftigt den Buure so sehr wie: Wat tut der Verband? Die Antwort ­da­rauf ist einfach. Sag mir, häs du Energie? Glaub mir, wir sind fit wie nie. Wir ston zusamme alle Mann. Jeder tut hier, was er kann. Statt von der Außenlinie zu kommentieren, gilt es, die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen zu reflektieren und sich selbst einzubringen. Mer dun et för üch, mer dun et för uns.

Bei Mercosur, da sind wir stur! Mit dem Spruch ging's vor Weihnachten gen Brüssel. Mehr als deutlich wurde, dass die blonde Ulla aus Sicht der Buure einen miesen Deal mit Brasiliens Lula plant. Denn auf der einen Seite den Verbrauchern in Deutschland die höchsten Standards zu versprechen, auf der anderen Seite frei nach Belieben produzierte Nahrungsmittel mit geringen Umwelt- und Sozialstandards zu importieren, ist alles andere als fairer Wettbewerb. Darum war der Protest auch notwendig! Das Signal wurde verstanden. Regeln zur Kontrolle des Wettbewerbs und der Verbrauchersicherheit sind nun Bestand des Vertrags geworden. Klar ist, Ulla muss nun in den Brüsseler Amtsstuben dafür Sorge tragen, dass die Regeln auch konsequent umgesetzt werden. All denen, die jetzt reflektieren, warum es so gekommen ist, sei gesagt: Du häs Energie. Glaub mir, wir sind fit wie nie. Wir ston zusamme alle Mann. Jeder tut hier, was er kann. Alle, die die Fahne der Buure hochhalten, wissen, dass nur ehrenamtliches Engagement den Buurestand nach vorne bringt. Mer dun et för uns, mer dun et för üch.

In Berlin hat der Friederich aus der Wirtschaft das Zepter in der Hand. Gut, es war wohl ein Trugschluss, dass jemand, der aus der Wirtschaft kommt, auch mit Flaschen umgehen kann. Derzeit erinnert das westfälische Triumvirat nicht selten an den berühmten Bundesligatrainer Trapattoni: „Spieler schwach wie eine Flasche leer.“ Es mag auch etwas rheinische Voreingenommenheit sein. Ob es glücklich ist, wenn einzig Westfalen das Sagen haben, mag ein jeder selbst bewerten. Vollmundigkeit wie „einfach mal machen“ oder „der Herbst der Reformen“, verbunden mit einer zumindest schlecht koordinierten Kanzlerwahl, zeigen zumindest das Dilemma der drei. Mit Anträgen plötzlich den Linken wieder neues Leben einzuhauchen, war zuvor nicht wirklich klug. Sendungsbewusstsein und markige Worte bewirken in der Politik oft das Gegenteil von dem, was gewollt ist. Da kann das Berliner CDU-Trifolium was vom Hen­drik in Düsseldorf lernen, der mehr Rheinland wagt: Du bist supertolerant, nimms jeden op der Ärm und an de Hand. Und da­raus wird für uns Buure klar, erfolgreich ist, wer seine Interessen im Blick hat und die Befindlichkeiten seines Gegenübers nicht aus den Augen verliert. Einen Kompromiss zu erzielen, ist nicht das Problem, sondern diesen gegenüber den Kritikern durchzuhalten, ist die Herausforderung. Drum reflektiert: Mer dun et för üch, mer dun et för uns!

Wie verrückt die Welt auch werden kann, zeigen uns die anderen Matadoren in Berlin. Die SPD ist wieder im Klassenkampf angekommen. Eine Reform der Erbschaftsteuer wird das Verfassungsgericht schon verordnen. Daraus eine Diskussion zur ungerechten Verteilung von Vermögen zu machen, wirkt, zumindest wenn es um Unternehmen und Betriebe geht, mehr als drüber. Leeve Lars, du musst doch kapieren, dass nur gesunde Unternehmen zukunftsfähig sind. Drohen jetzt Schulden aus dem Erbgang, würde trotz der vorgeschlagenen Stundungsregelung die Finanzierung in Wachstum, Innovation und Beschäftigung nicht gelingen. Selbst die Letzten verlieren dann das Vertrauen in den Standort Deutschland. Wir Buure können mit unseren Höfen nicht auf die Steueroasen fliehen, bei uns würde nach dem geplanten SPD-Konzept direkt in die Kasse gegriffen. Drum leeve Buur, sag mir, häs du Energie? Glaub mir, wir sind fit wie nie. Ganz egal, wat morje kütt, wir jon kein Schritt zurück! Und es wird wieder klar, worauf es in den nächsten Monaten ankommt. Mer dun et för üch, mer dun et för uns!

Ehrenamt im Verband kann auf wunderbare Weise mit den folgenden Worten auf Kölsch beschrieben werden: Für de Buure, do schläät uns Hätz. Vum Aanfang bes zoletz. Un mer sin jeder vum Mosaik ’ne Stein. Nur mer zesamme, mer sin eins. Das ist die Stärke des Buurestands im Rheinland. Die Herausforderungen sind groß, ob Bürokratiewahn, Erbschaftsteuer oder Förderungen. Ob eine zukunftsfähige Tierhaltung, Pflanzenschutz oder Düngung – es braucht engagiertes Ehrenamt, das glaubwürdig der Politik klarmacht, wie Lösungen aussehen können. Im Vertrauen, dass mit den nächsten Tagen der Leichtigkeit ’die Erkenntnis reift, dass ehrenamtliches Engagement der Grundstein für den dauerhaften betrieblichen Erfolg ist. Ein Alaaf und Helau. Denn, mer dun et för üch, mer dun et för uns!