Rückt Lumpy Skin Disease näher?
Die Hautknötchenkrankheit bei Rindern brach zuletzt im Juli in südlicheren Teilen Europas aus. Worum es sich dabei handelt, führt Dr. Peter Heimberg, Landwirtschaftskammer NRW, aus und schätzt die aktuelle Lage ein.
Lumpy Skin Disease (LSD), auch Hautknötchenkrankheit genannt, ist eine Viruserkrankung der Rinder, Zebus und Büffel, die ursprünglich aus dem südlichen Afrika stammt, sich inzwischen aber über den Nahen Osten bis nach Europa und Asien ausgebreitet hat. Sie wird durch ein Capripoxvirus verursacht, das vor allem durch blutsaugende Insekten übertragen wird. Doch auch Produkte erkrankter Tiere, wie Milch, Fleisch oder Sperma, können infektiös sein. In seltenen Fällen wird die Erkrankung darüber direkt übertragen. Eine Rolle bei der Verbreitung über größere Entfernungen spielt der Transport von nicht erkannten infizierten Tieren. Dabei ist zu beachten, dass sich Kälber intrauterin und auch am Muttertier anstecken können. Die Krankheit ist anzeigepflichtig und in der höchsten Kategorie des EU-Tierseuchenrechts, AHL Kategorie A, gelistet.
Symptome und Verlauf
In empfänglichen Rinderherden erkranken unter europäischen Verhältnissen nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei, manchmal auch vier Wochen zwischen 5 und 45 % der Tiere. Neben den namensgebenden Hautknoten zeigen sie hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Fressunlust und deutlichen Milchrückgang. Neben den Hautknoten kann es auch zu Schwellungen der regionalen Lymphknoten kommen. Je nach Lokalisation der Knotenbildung können sich Probleme mit der Fruchtbarkeit oder Melkbarkeit entwickeln. Im Zusammenhang mit dem fiebrigen Verlauf sind auch Aborte möglich. Bullen können unfruchtbar werden. Die Sterblichkeitsrate liegt in Europa bei unter 1 % der betroffenen Tiere, doch verursacht die beschriebene Klinik viel Tierleid und hohe wirtschaftliche Verluste. Im Verlauf des Geschehens vernarben die sich zunächst geschwürig verändernden Hautknoten.
Das wichtigste Instrument zur Vorbeuge und Bekämpfung ist das frühzeitige Erkennen und Anzeigen von Verdachtsfällen. Da es sich bei LSD um eine Viruserkrankung handelt, kann sie nicht spezifisch behandelt werden. Nach dem Tierseuchenrecht sind betroffene Herden möglichst schnell zu tilgen, um eine weitere Verbreitung des Virus durch die Vektoren – vor allem Insekten – zu verhindern.
Mehr in LZ 36-2025 ab S. 37.
