RWZ: Was hinter den Schlagzeilen steckt?
In den vergangenen Tagen berichteten mehrere Agrarmedien von einem Social-Media-Post. Darin wird ein internes Rundschreiben an die Belegschaft veröffentlicht, das auf schwierige wirtschaftliche Entwicklungen bei der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main AG (RWZ) hindeuten soll. Wir haben darüber mit dem Vorstandsvorsitzenden Christoph Kempkes gesprochen.
LZ Rheinland: Stimmt es, dass die RWZ laut Medienberichten das angepeilte Jahresergebnis wohl verfehlen wird?
C. Kempkes: Ja, das stimmt. Damit müssen wir nach zwei schwachen Sommermonaten rechnen. Diese ‚Medienberichte‘ beruhen allerdings auf einer geleakten internen Monatsmail von mir an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nicht schön, aber natürlich werde ich mit meiner Art der regelmäßigen Informationen an unsere Mitarbeiterschaft unbeirrt fortfahren. Und: Bekanntlich ist das Jahr noch nicht um; wir werden noch mobilisieren. Übrigens fürchte ich, dass auch einige andere der 3,6 Mio. in Deutschland tätigen Unternehmen schon mal ihr Ziel verfehlen, zumal in diesem Jahr 2024 – das ist ärgerlich, passiert mir bei der RWZ das erste Mal, ist aber auch nicht weiter weltbewegend. Also, ruhig Blut und bei den Fakten bleiben.
LZ Rheinland: In welchen Bereichen leibt die RWZ (Stand abgeschlossenes 3. Quartal) hinter den Zielen zurück, wo läuft es besser?
C. Kempkes: Die meisten für uns wesentlichen Märkte tendieren bestenfalls seitwärts, sprich ohne ‚Fantasie‘. Bei Getreide fehlen Mengen und Qualitäten. Bei Dünger domminiert eine abwartende Haltung. Beim Pflanzenschutz war zumindest das Saisonfinale stark, obwohl der Verbrauch in Deutschland insgesamt auf dem niedrigsten Niveau seit entsprechenden Aufzeichnungen liegt. Saatgut, eine Stärke von uns, ist vielversprechend angelaufen. Weinbau-/Kellerei ist sprichwörtlich ‚im Keller‘ wegen mangelnder Nachfrage und veränderter Konsumgewohnheiten; die Leute trinken weniger und weichen vermehrt auf Nicht-Alkoholika aus. Profi-Gartenbauartikel laufen schwach; inflationsgeplagte Verbraucher sparen am Blumenschmuck. In der Agrartechnik liegt der Umsatz über Vorjahr, entsprechend ist unser Marktanteil stark. Belastend sind Wertberichtigungen nach Vorsichtsprinzip auf hohen Maschinen-Beständen, die zwar ergebnis- aber nicht liquiditätswirksam sind. Richtig gut laufen die Kartoffeln; Snacking und Pommes außer Haus ziehen noch. In Summe kommt hier aber marktseitig mehr Negatives zusammen, als wir wegstecken können, obwohl wir Kosten und Zinsen im Griff haben.
LZ Rheinland: Trifft es zu, dass Sie von einer „Alarmstufe orange“ gesprochen haben? Hat sich an der Einschätzung seither etwas geändert?
C. Kempkes: Ja, so habe ich tatsächlich intern pointiert. Ich wollte aufrütteln. Naturgemäß ist die Diktion interner Kommunikation etwas anders als in einer an die Öffentlichkeit gerichteten Verlautbarung. Trotzdem muss man immer mit so einem Leak rechnen, weshalb ich auch zu allem Geschriebenen voll stehe. Daraus aber den Schluss zu ziehen, der RWZ eine ‚Krise‘ anzudichten, halte ich für daneben. Das mag im aktuellen Kontext ‚effekthaschend‘ und somit vermeintlich ‚interessant‘ klingen, hat aber keine seriös fundierte Grundlage. Hier wird vielmehr gewollt reißerisch aus einer Mücke ein schlapper Elefant gemacht.
LZ Rheinland: Last not least: Wird die RWZ möglicherweise im ersten Jahr als Aktiengesellschaft (AG) mit einem Bilanzverlust abschließen?
C. Kempkes: Nein. Wir erwarten aktuell ein EBIT in der Größenordnung 20 Mio. € - letztes Jahr waren es 25 Mio. € - und ein EBT (Anmerkung der Redaktion: unter EBT versteht man den Unternehmensgewinn vor Abzug des gesamten Steueraufwands) im einstelligen Millionen-Bereich. Die Bilanz wird sich stark verbessert zeigen, weil deutlich weniger Bestände zu finanzieren sind und als Folge die Verschuldung weiter sinkt mit freien Cash-Linien auf Rekordniveau. Das unterstützt unsren Kurs.
ds
