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MLV sensibilisiert in Brüssel für Stolbur und SBR
Die Landwirtschaft steht vor vielen Herausforderungen. SBR und Stolbur sowie die Schilf-Glasflügelzikade gehören dazu. Während die beiden Rübenkrankheiten in Süddeutschland und auch in anderen Regionen Deutschlands bereits massive Ertragseinbußen durch niedrige Zuckergehalte sowie faulende Rübenkörper verursachen, sind die rheinischen Zuckerrübenanbauer davon bislang verschont geblieben. Dennoch stellte das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) „diese unsichtbare Bedrohung mit sichtbaren Folgen“ in den Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung in der Vertretung des Landes NRW in Brüssel.
Zwar engte der Veranstaltungstitel „Warum SBR/Stolbur Europas Ernährungspolitik herausfordert“ die Bedrohungslage auf die Zuckerrübe ein. Deutlich wurde aber, dass ein Problemfeld bei der Bekämpfung der beiden Erkrankungen genauso bei anderen Kulturen festzustellen ist: der Mangeln an wirksamen Bekämpfungsmaßnahmen. Ministerin Silke Gorißen verwies daher in ihrer Begrüßung darauf, dass sich Nordrhein-Westfalen für Anpassungen auf nationaler und europäischer Ebene einsetzt, welche „die prekäre Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln abwenden“. Es müssten wirksame Pflanzenschutzmittel zugelassen werden, „damit die Ernten der Landwirtinnen und Landwirte gesichert sind“.
Sowohl Norbert Lins, Abgeordneter des EU-Parlaments und Mitglied des Agrarausschusses, als auch Dr. Klaus Berend, Direktor bei der Generaldirektion Sante, in deren Zuständigkeitsbereich die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln fällt, machten dabei Hoffnung, dass in dem Vereinfachungspaket Omnibus X mehrere Regelungen getroffen werden, die sich günstig auf die Zulassungssituation auswirken dürften. Hier seien Kommission, Rat und Parlament sehr nahe beieinander. Eindrücke und Erwartungen der Praxis brachte Dr. Björn Küstermann in die Diskussion ein. Er ist unter anderem Vorsitzender des Zuckerrübenanbauerverbandes in Könnern und Mitglied der Geschäftsführung eines Betriebsverbundes nördlich von Halle, der über 500 ha Zuckerrüben anbaut. Die wissenschaftliche Seite, das Monitoring von Vektor und Erregern sowie die Ansätze zu weiteren Bekämpfungsmaßnahem und den Möglichkeiten der Züchtung, beleuchteten Dr. Sabine Andert, Leiterin des Fachinstituts für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland beim Julius Kühn-Institut, sowie Prof. Dr. Anne-Katrin Mahlein, Leiterin des Instituts für Zuckerrübenforschung (IfZ).
Die Runde machte auch die Gefährdung weiterer Kulturen wie Kartoffeln und Gemüse deutlich. Sie verwies auch darauf, dass zur Eindämmung eine enge Zusammenarbeit über Kulturen und Institute hinweg notwendig sei. Dabei seien auch die Möglichkeiten Neuer Genomischer Technologien (NGT) wie beispielsweise der Genschere einzubeziehen. Nötig sei dabei ein Instrumentenkasten, der kurzfristig helfe. Zwar sind laut Dr. Küstermann im Feld durchaus Unterschiede zwischen Sorten in der Anfälligkeit zu erkennen. Züchterische Ansätze benötigten aber auch bei Nutzung von NGT einen längeren Vorlauf. Weil die Schilf-Glasflügelzikade immer weiter nach Norden vordringt, brauche es daher in der Zwischenzeit wirksame Möglichkeiten, der Ausbreitung entgegenzuwirken.
Mitveranstalter waren das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt sowie Pfeifer & Langen. Dass das Thema nicht nur für die Landwirtschaft in Deutschland eine Herausforderung darstellt, sondern die Brisanz auch in Brüssel angekommen ist, belegte die rege Teilnahme von Vertreterinnen und Vertretern aus dem EU-Parlament und der EU-Kommission. Moderiert wurde die Diskussion von LZ-Chefredakteur Detlef Steinert.
