Welche Marktauswirkungen wären zu erwarten?
Die Europäische Kommission arbeitet daran, aus Drittstaaten importierte Lebensmittel verstärkt den heimischen Produktionsstandards zu unterwerfen. Die Gemeinsame Forschungsstelle (JRC) hat nun eine vorläufige Studie zu den potenziellen Auswirkungen von Spiegelklauseln im Bereich des Pflanzenschutzes vorgelegt. Die Ergebnisse sollen eine erste Orientierung zu Veränderungen an den Handelsströmen und Folgen für die europäischen Erzeuger und Verbraucher liefern, sollten die Rückstandshöchstgehalte für in der EU verbotene Wirkstoffe auf die Nachweisgrenze abgesenkt werden. Grundsätzlich zeigt die Untersuchung, dass die potenziellen neuen Grenzwerte die Importe von betroffenen Lebensmitteln verringern können, mit den entsprechenden Folgen für die Erzeuger und Verbraucher in der EU. Für das Ausmaß der Konsequenzen ergeben sich aber je nach Szenario erhebliche Unterschiede.
Ohne Anpassung: Die Einfuhr soll im Volumen um insgesamt 41 % zurückgehen, bei Zitrusfrüchten und Soja sogar um 92 beziehungsweise 90 %. Die EU-Agrarproduktion würde um 1,1 % gesteigert und dazu die landwirtschaftlich genutzte Fläche um 1,9 Mio. ha ausgedehnt werden. Da Futtermittel deutlich teurer wären, würde die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch um jeweils mehr als 5 % zurückgehen. Für Ölkuchen wird in diesem Szenario eine Kostensteigerung um 87 % erwartet. Ein steiler Anstieg droht auch bei einigen Verbraucherpreisen: Bei Kaffee haben die Wissenschaftler ein Plus von 332 % errechnet, bei Zitrusfrüchten einen Aufschlag von 85 %.
Sobald zumindest ein Teil der Lieferanten weiter in der EU absetzen will, fallen die Folgen spürbar milder aus. Geht man davon aus, dass die neuen Regelungen den Export in die Gemeinschaft um 20 % verteuern, würden Einfuhren von Agrarprodukten insgesamt um 8 % schrumpfen. Im Gegenzug würde die heimische Produktion etwas angekurbelt. Die Nebenwirkungen für die heimische Tierhaltung sollen in diesem Szenario zu vernachlässigen sein.
Im günstigsten Fall dürften die Agrarimporte der EU gemäß der Studie nur um 0,4 % zurückgehen; für die meisten Rohstoffe würden sich die Veränderungen nahe Null bewegen. Auch bei der Erzeugung und den Verbraucherpreisen wären dann kaum Anpassungen zu erwarten. Bei diesem Szenario wurden die Rückschlüsse auf die Produktion in Drittstaaten nur auf Basis der bei Einfuhrkontrollen aufgefallenen Rückstände gezogen und der Aufschlag für die Exportkosten mit 5 % angesetzt.
