30.09.2026

„Zuckersteuer? Nicht mit uns!“

Mit Aufklebern auf Rübenlastern protestieren Anbauer, Verbände und Zuckerwirtschaft gegen mögliche Pläne für eine Zuckersteuer. Der Startschuss der Aktion fiel am vergangenen Montag in Jülich.

Zur laufenden Rübenkampagne setzen Landwirte jetzt ein sichtbares Zeichen gegen die geplante Zuckersteuer: Mit großflächigen Aufklebern auf ihren Rübenlastern machen sie gemeinsam mit der Zuckerindustrie und ihren Verbänden auf die Folgen der politischen Pläne aufmerksam. Die Botschaft auf den Fahrzeugen ist eindeutig: Nein zur Zuckersteuer! Im Mittelpunkt steht dabei bewusst die aktuelle Kampagne. Denn genau jetzt rollen täglich zahlreiche Rübenlaster aus der Landwirtschaft zu den Zuckerfabriken – und werden damit zu mobilen Protestflächen.

Die Aktion geht von den Landwirten aus, die in der laufenden Kampagne Gesicht zeigen und ihren Protest sichtbar machen. Gemeinsam mit der Zuckerindus­trie und den Verbänden wollen sie deutlich machen, dass eine Zuckersteuer nicht abstrakt bleibt, sondern ganz konkret die heimische Erzeugung und Verarbeitung trifft. Aus Sicht der Beteiligten steht die Zuckerrübe für regionale Landwirtschaft, industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Die Plakataktion auf den Lastern soll genau daran erinnern – mitten in der Erntezeit und mitten im öffentlichen Raum.

Im Hintergrund steht die Sorge, dass eine Zuckersteuer regionalen Rübenzucker schwächen und zusätzliche Belastungen für Landwirtschaft und Zuckerindustrie auslösen würde. Die Branche verweist auf ohnehin schwierige Rahmenbedingungen – von niedrigen Zuckerpreisen über Dürre und Schädlinge bis hin zu hohen Energie- und Klimakosten. „Historische Tiefstpreise für Zucker, Dürre und Schädlinge auf dem Acker, enorme Kosten für Energie und Klimaschutz: Eine Zuckersteuer würde das Fass für Zuckerfabriken und Rübenanbauer zum Überlaufen bringen“, warnte Dr. Stefan Streng, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker.

Nach Einschätzung der Beteiligten hätte die Steuer auch direkte Folgen für Verbraucher. Lebensmittel und Getränke würden teurer, hinzu kämen neue Meldepflichten, Kon­trol­len und zusätzlicher Verwaltungsaufwand für die Betriebe. „Zucker ist ein Grundnahrungsmittel und soll jetzt besteuert werden wie Alkohol und Tabak. Das lehnen wir entschieden ab“, sagte Bernhard Conzen, Vorsitzender des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes. „Die Steuer macht die Produkte nur teurer. Keiner wird davon gesünder oder schlanker. Der Verbraucher zahlt am Ende die Zeche“, ergänzte Wilhelm Jaeger vom Maschinenring Rheinland-West.

Aus Sicht der Beteiligten ist die Zuckersteuer Symbolpolitik ohne belegte gesundheitliche Wirkung. Übergewicht sei ein komplexes gesellschaftliches Pro­blem mit vielen Ursachen. Es fehlten belastbare Belege dafür, dass eine Zuckersteuer Übergewicht oder Adipositas in der Bevölkerung verringert. Die Branche verweist auf das Vereinigte Königreich: Dort gibt es eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke, der Anteil übergewichtiger Erwachsener und Kinder ist trotzdem nicht zurückgegangen. Auch Zucker durch künstliche Süßstoffe zu ersetzen, ist aus Sicht der Beteiligten keine pauschale Lösung. Entscheidend bleibe die Ernährung insgesamt und sie müsse zur jeweiligen Lebenssituation passen und langfristig umsetzbar sein. Gesunde Ernährung lasse sich nicht über Steuern steuern. Statt einzelne Nährstoffe zu besteuern, setzen Landwirtschaft, Zuckerindustrie und Verbände deshalb auf Ernährungsbildung, Bewegung, Aufklärung und wirksame Prävention.

Mit der Plakataktion auf den Rübenlastern wollen Landwirtschaft, Zuckerindustrie und Verbände vor allem eines erreichen: Aufmerksamkeit für die laufende Kampagne und für die Bedeutung der heimischen Zuckerrübe. Die Botschaft ist klar: Wer Zucker stärker belastet, trifft nicht nur ein Produkt, sondern eine gesamte Wertschöpfungskette vom Feld bis zur Fabrik.

Anna Müller


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