10.07.2024

Deutscher LandFrauentag sorgt für Aufsehen

Foto: Kathrin Fries

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war zu Gast bei 5 000 Landfrauen, die in Kiel das 75-jährige Bestehen des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) feierten

Es war schon eine ganz besondere Stimmung, die die vielen Besucher am Dienstag vergangener Woche in der Wunderino Arena mitten in Kiel empfing. Es summte nicht nur geschäftig wie in einem Bienenstock, eine angespannte Aufregung zeigte, dass dieser Deutsche LandFrauentag anders war als andere. Die Ankündigung, dass das Staatsoberhaupt den Landfrauen die Ehre erweisen würde, sorgte für ein Großaufgebot an Medienvertretern und Sicherheitskräften gleichermaßen. Nach der Begrüßung durch Moderatorin Stephanie Lang genoss Steinmeier an der Seite von dlv-Präsidentin Petra Bentkämper sichtlich den Weg durch die Halle voller Frauen, die ihm zujubelten und versuchten, einen Schnappschuss oder ein kleines Video des großen Moments zu ergattern.

Viel Applaus …

„Sie wissen, dass wir dieses Jahr den 75. Geburtstag unseres Grundgesetzes feiern. Mit der Gründung Ihres Verbandes waren Sie sogar noch ein kleines bisschen früher dran“, schmunzelte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Eröffnungsrede. Frauen auf dem Land schlössen sich zusammen, um gemeinsam ein besseres, ein gerechteres, ein leichteres Zusammenleben zu organisieren, fasste Steinmeier das Landfrauendasein zusammen, das aus mehr bestehe als den Klischees von Bäuerinnen und Backrezepten, Hauswirtschaft und Hausmitteln. „Sie kommen auch zusammen, um gemeinsam ihre Stimme zu erheben. Denn, und auch das gehört zur Wirklichkeit, Frauen wissen aus Jahrhunderten Lebenserfahrung, wie wichtig es ist, sich zusammenzuschließen – weil sie viel zu lange unter Ungleichbehandlung, unter existenzieller Abhängigkeit, unter schlechterer Gesundheitsversorgung und Armut und auch unter häuslicher Gewalt gelitten haben und es leider teilweise immer noch tun“, erklärte Steinmeier und ergänzte: „Frauen wissen: Alleine muss man oft stumm bleiben, weil man am kürzeren Hebel sitzt. Aber gemeinsam kann man etwas ausrichten.“

Das, so Steinmeier weiter, machen die Landfrauen auch als Verband. „Sie sind eine wichtige gesellschaftliche Stimme, die dieses Land politisch mitgestaltet. Sie sind das Rückgrat des ländlichen Raumes. Und Sie vertreten Ihre Interessen auch in der Landes- und Bundespolitik“, formulierte er seinen Dank. „Es ist gut und notwendig, dass Sie sich einmischen und einbringen!“ Das Engagement der Landfrauen  nehme alle mit und helfe im ganzen Land, ganz konkret, jeden Tag. „Mit anderen Worten: Ihre Arbeit ist – nein, Sie sind unverzichtbar. Wir können gar nicht genug wertschätzen, wie sehr Sie sich um unser Gemeinwesen verdient machen“, schloss der Bundespräsident unter tosendem Beifall seine Rede.

… und Pfiffe

Weniger Sympathie als dem Bundespräsidenten brachten die Landfrauen für Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir auf. Immer wieder wiesen die Landfrauen in ihren Reden darauf hin, dass ihr Verband unabhängig, eben kein Anhängsel des Bauernverbandes sei. „Wir wollen nicht betreut werden, wir wollen uns selbst etwas schaffen!“, wurde Marie-Luise Gräfin Leutrum zu Ertingen als eine der Gründerinnen des Deutschen LandFrauenverbandes vor 75 Jahren zitiert. „Wir sind seit Gründung ein eigenständiger Verband, der für alle Frauen in ländlichen Räumen die Stimme erhebt. Diese Unabhängigkeit ist unsere Stärke“, ergänzte die amtierende dlv-Präsidentin Petra Bentkämper. Dennoch – und auch das war den Landfrauen wichtig zu unterstreichen – spielt das Thema Landwirtschaft eine zentrale Rolle in ihrem Engagement. Wenn es also um Gleichstellung und Gleichberechtigung geht, liegt hier der Fokus klar auch auf den Höfen.

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