Keine Notlage, aber eine Krise
Alois Rainer stellt Erntebericht und Entlastungsmaßnahmen vor
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer wertet die aktuelle Situation in der Land- und Forstwirtschaft als „Krise nationaler Tragweite“. Am Mittwoch vergangener Woche legte er den Erntebericht seines Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) vor. Dieser rechtfertigt aus seiner Sicht keine Einstufung als Notlage, die wie im Dürrejahr 2018 direkte Finanzhilfen von Bund und Ländern für existenzgefährdete Betriebe ermöglicht hätte. Gleichwohl sorgten „multifaktorielle Herausforderungen“ für ein „ernstes Gesamtbild“ und für die Einstufung als Krise mit nationaler Tragweite. Rainer kündigte mehrere Maßnahmen zur Entlastung der Betriebe an. Unter anderem sollen Landwirte Zugang zu zinsgünstigen Darlehen erhalten und damit ihren unternehmerischen Spielraum sichern, wie der Ressortchef erläuterte. Der Liquiditätsrahmen, den das BMLEH zur Unterstützung der Branche in Aussicht stellte, lässt sich noch nicht final beziffern. Rainer stellte in Berlin jedoch rund 1 Mrd. € in den Raum.
Laut Rainer sei ein „Schadensereignis von nationalem Ausmaß“ zu erkennen. Eine Option, die zuvor durchaus im Raum stand. Es gehe ausdrücklich nicht darum, „jede Ertragsschwankung staatlich auszugleichen“. Dennoch sei die Ernte in diesem Jahr für einige Regionen sehr herausfordernd gewesen. Insgesamt kommt der Erntebericht auf vorläufig rund 37,4 Mio. t Getreide; ein Minus von 7,3 % gegenüber dem Vorjahr und 2,1 % weniger als im sechsjährigen Mittel. Bei Winterweizen als wichtigster Kultur sinkt die Erntemenge demnach auf voraussichtlich 20,2 Mio. t (-10,4 % gegenüber 2025). Beim Winterraps soll die Produktion den BMLEH-Daten zufolge trotz Ausweitung der Anbaufläche um 11,5 % auf 3,5 Mio. Tonnen gesunken sein.
AgE
