Mehr Tierwohl in Ökobetrieben?
Forscher des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau fordern ein spezielles Tierwohlaudit für ökozertifizierte Betriebe. Hintergrund ist eine Studie, die beim Tierwohl keine signifikanten Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Haltung feststellen konnte. Ausschlaggebend war vielmehr das individuelle Betriebsmanagement. Wie das Institut mitteilte, werteten die Wissenschaftler 86 Studien aus den Jahren 1990 bis 2023 aus, die in Europa und Nordamerika ökologische und konventionelle Betriebe verglichen. Über alle gängigen Nutztierarten und Produktionsformen hinweg zeigte sich kein eindeutiger Beleg dafür, dass der ökologische Landbau automatisch zu mehr Tierwohl führt. Gleichzeitig belegen Literaturauswertungen das große Potenzial des ökologischen Landbaus für ein hohes Tierwohlniveau. Als Beispiele nannten die Forscher die Vorgaben für Einstreu, Auslauf und Weidegang. In ihrer derzeitigen, rein handlungsorientierten Form garantieren die europäischen Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau laut den Forschern jedoch kein Tierwohl. Um dieses im Rahmen der Ökozertifizierung zu gewährleisten, empfehlen die Wissenschaftler daher ein transparentes, standardisiertes und praktikables Auditkonzept auf Basis tierbezogener Indikatoren.
AgE
